Vermuten Sie hinter den Besuchern des 220. Hamburger Hafengeburtstags ein an Kunst interessiertes Publikum?
Unter der Gesamtheit der Besucher (Millionen) befinden sich mit Sicherheit auch viele Kunst-, Design- und Kulturinteressierte. Vor allem wenn das Kulturangebot vielfältig wächst. Wir wollen hierzu einen Beitrag leisten und hoffen natürlich auch, dass wir auf der Cap San Diego und während des Hafengeburtstags mit unserem Projekt »MEHR« (zum Thema Wasser) ein paar mehr Personen erreichen als in einer herkömmlichen Galerie.
Was hat Sie dazu bewogen, das Ausstellungsprojekt »MEHR« auf dem Museumsschiff Cap San Diego im Hamburger Hafen ins Leben zu rufen?
Die Initialzündung entstand ebenso unvorhergesehen wie spontan! Während einer Seminarexpedition mit Studierenden des Departments Design auf die Cap San Diego besichtigten wir Maschinen-, Mannschafts- und Laderäume, von denen zwei für wechselnde Ausstellungen aller Art nutzbar sind. Auf unmittelbare Nachfrage bei den Studenten vor Ort war schnell klar: Alle würden gerne sofort hier ihre Arbeiten präsentieren, eine einmalig atmosphärische Location für eine große Kunst- und Designausstellung.
In der ursprünglichen Projektbeschreibung wird deutlich, dass die Verantwortung für die Konzeption und Gestaltung des Vorhabens bei den Studenten liegt. Welche Kompetenzen sollen vermittelt werden und inwieweit sind diese für die Berufspraxis relevant?
Die Verantwortung dieses studentischen Projektes liegt vor allem bei den Studierenden, unter der Leitung von Gerrit Holz. Wünschenswert ist, auf möglichst breiter Ebene berufsorientierte Kompetenzen zu entwickeln und zu vertiefen. Das beginnt bei der Organisation und Planung der Ausstellung, zum Beispiel Kontaktaufnahme mit allen wichtigen Partnern wie der Schiffsleitung, PR-Kontakte und -Arbeit, Erstellen von unterschiedlichen Pressetexten, -formaten. Darüber hinaus werden Kampagnen, Name, Plakate, Flyer, Aktionen geplant und – ganz wichtig – künstlerisch-gestalterische Arbeiten aller Couleur extra für diese Ausstellung angefertigt. Das übergeordnete Thema ist Wasser – in freier Assoziation. Der Titel des Projektes ist »MEHR«. Eine übergeordnete Jury hilft bei der Auswahl der Exponate und der Qualitätssicherung.
Was versprechen Sie sich von der studentischen Auseinandersetzung mit Ort und Größe (Laderäume über drei Deckebenen der Cap San Diego) des Ausstellungsraumes sowie dem Thema?
Für die Studenten ist dies ein außerordentliches Experiment: Sie können gestalterisch frei für und an einem Ort – auf der Cap San Diego, dem größten hochseetauglichen Museumsfrachter der Welt – mitten im Hamburger Hafen in unmittelbarer Nähe von Europas größter Baustelle – der HafenCity – arbeiten und ihre Werke einem hoffentlich breiten Publikum zeigen. Und das vier Wochen lang – auch während des 220. Hafengeburtstages.
Wie ist es Ihnen gelungen, Studenten für das Projekt zu begeistern?
Die Studenten haben sofort die Besonderheiten der Cap San Diego erkannt und gespürt: faszinierendes Schiff mit starker Aura, große, roh belassene Laderäume, exponierte Lage im Hafen an den Landungsbrücken.
Welchen Aufwand (finanziell, personell, zeitlich, organisatorisch) bedarf es, ein solches Unternehmen auf den Weg zu bringen?
Finanziell ist ein so komplexes Experiment unter normalen Voraussetzungen nicht realisierbar. Dieses »studentische Projekt« wird von der HAW finanziell unterstützt. Dafür sind wir dankbar und freuen uns sehr. Die realen Kosten sind damit aber nicht abgedeckt. Genauso wichtig ist das Entgegenkommen der Schiffsleitung der Cap San Diego, die ihre Räume sehr kostengünstig zur Verfügung stellt. Personelle, organisatorische oder zeitliche Anforderungen sind immens und werden vor allem durch höchst motivierte Eigenarbeit der Studierenden und aller weiteren Beteiligten unentgeltlich geleistet.
War der bisherige Weg ein leichter oder gab es Hindernisse?
Es gab und gibt während des gesamten Projektes viel zu initiieren und infolgedessen zu organisieren. Die Begeisterung für diese unkonventionelle »Sonderaktion« ist die treibende Kraft und hält hoffentlich über die gesamte Dauer der Aktion an. Der Weg ist das Ziel!
In der Projektinformation wird die Zusammenarbeit mit renommierten Schweizer Aktionskünstlern als einmaliges Experiment zwischen Profis und Designstudenten proklamiert. Worin konkret besteht diese Zusammenarbeit?
Das ist vorerst noch ein Geheimnis. Aber vorab so viel: Die Schweizer Künstler Reto Emch und Anet Fröhlicher werden für ihre Installation ca. eine Woche Aufbau benötigen und somit vor Ort anwesend sein. Wir genauso. Es wird also zwangsläufig und auch abgesprochen projektiert viele spannende und Berufsfeld-orientierte Kontakte auf diversen Ebenen zwischen Studenten der HAW und kulturschaffenden Profi-Künstlern geben.
»Nach Absprache mit Prof. Dr. Roland Greule ist eine Zusammenarbeit auch mit Studenten der Medientechnik geplant«, heißt es in der Projektbeschreibung. Welches Ziel verfolgen und welchen Mehrwert sehen Sie darin?
Die Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Dr. Greule und Studenten des Departments Medientechnik ist geplant und wird inzwischen auch real praktiziert. Die Idee dahinter ist, Kooperationen zu entwickeln und zu nutzen, zum Beispiel bei der Konzeption und Dramaturgie der Ausstellungsräume auf drei Ebenen und ca. 1.000 Quadratmetern durch Licht und Sound. Ein interdisziplinäres Experiment mit dem Ziel, auch Studierende aus dem Department Medientechnik für dieses Projekt zu begeistern. Darüber hinaus wird uns auch Herr Prof. Klaus Waschk, ehemals Department Design, mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Über weitere Unterstützung jeder Art freuen wir uns sehr. Your welcome!
Vielen Dank für das Gespräch.
[Dezember 2008]
Weitere Infos gibt es hier: Homepage der Cap San Diego

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