Video-Bestandsaufnahme: Bildungsstreik Hamburg
Wir waren einen Tag lang mit den Bildungsstreikenden in Hamburg unterwegs. Dabei haben wir mit einigen »Drahtziehern« gesprochen, die von der Hamburger Hochschule kommen, an der man kaum etwas vom Bildungsstreik mitbekommt: unserer HAW. Bernhard Ruoff, Illustrationsstudent am Department Design, schildert die Perspektive der Studenten künstlerischer Studiengänge auf die Entwicklungen, die sich unter dem Decknamen Bachelor tun. Stephan Lang, Medientechnik-Student am Department Medientechnik, will sich, anders als viele seiner HAW-Kommilitonen, in die Streik-Bewegung involvieren und erklärt, warum er sich an der Besetzung des Audimax beteiligt. Auch Tilmy Alazar, HoPo-Referent des AStA der HAW Hamburg, unterstützt den Bildungsstreik und gibt einen Erklärungsansatz, warum bei HAW-Studenten keine rechte Streikwut aufkommen will. von Florian Neumeister
16 Kommentare
man hat den Eindruck, dass es bei uns wirklich untergeht. Ich dachte eigentlich, dass es auch noch bissel hin ist, bis der Streik beginnt. Ein Kumpel hat mich aber gestern darauf aufmerksam gemacht. Klar, wurde mir schon vorher gesagt, wann das ist, aber das sind Termine, die ich mir nicht aufschreibe, weils eigentlich über Mundpropaganda laufen sollte (wie bisher an anderen Institutionen)...aber die war nicht so richtig in Gange. ;)
Finde ich aber gut, dass sich einige Leute von der HAW damit beschäftigen und ich traue diesen Personen zu, sich auch länger mit diesen Themen zu beschäftigen.
Ich finds schade, dass ichs verpasst hab...geht doch aber noch bissel länger oder? Is ja nich nur'n Tag lang, soweit ich weiß...
Die Bereitschaft zum zivilen Ungehorsam ist im Durchschnitt an der HAW sicher geringer als an manch anderen Hochschulen. Fahrzeugtechniker oder Wirtschaftsingenieure wird man weit seltener auf Kundgebungen oder Demos sehen als vielleicht Politikwissenschaftler oder Germanisten. Aber es gibt auch Studiengänge und Departments, denen ich entsprechendes Potential zutraue, sich mit den Missständen im Studium auseinander zu setzten und für eine Verbesserung der Situation aktiv zu werden. Ganz sicher gehören dazu die Kommilitonen vom Department Design, aber bestimmt auch Studenten aus der Saarlandstraße oder Bergedorf. Und ganz gleichgültig ist auch der gesamte Campus am Berliner Tor nicht. Es fehlt aber eine studentische Institution, die sich zur Aufgabe macht, diese Potentiale zu verbinden. Genau wie Tilmy dass auch im Interview geschildert hat. So bleibt es bei Einzelaktionen, wie der von den Designstudenten vor dem Rathaus.
Ich fand es auch schade, dass unsere Hochschule so wenig in den Protesten engagiert ist.
Ich hab mir alle Ausreden der Welt anhören dürfen, als wir versucht haben ein paar Mehr zum mitmachen zu bewegen.
Wer auch findet, dass die Zeit für Ausreden vorbei ist, der kann gerne zu uns stoßen.
Wir sind der FSR des Departments Design und treffen uns am Montag, den 7. Deszember um 18 Uhr im FSR Raum der Armgartstraße 24. (Haltestelle Uhlandstraße) um uns auf die Demonstration am 12.12. ab 12 Uhr vorzubereiten.
Wir freuen uns über jeden Helfer aus unserer Hochschule.
Du hast das schon ganz richtig eingeschätzt, es ist noch nicht vorbei ich hab heute erst auf dem Mailer des Bildungsstreiks gelesen das in 4-5 weiteren städten Hochschulen und sogar eine Schule besetzt wurden.
An der UNI Hamburg haben heute über tausend Menschen den Akademischen Senat (= Hochschul Senat) zur Rede gestellt in dem sie den eigentlichen Sitzungssaal mit ihrer Anwesenheit sprengten und die Sitzung, nach dem Willen der studierenden,im besetzten Audimax fortgesetzt wurde.
Nachdem der Uni AStA, weitesgehend tatenlos zugesehen hatte wie die sitzung abgebrochen wurde, belagerten ca. 300 Leute ein Gebäude in welchem der Hochschulrat( Gremium aus Wirtschafts Bossen und einer Handvoll Profs.) eine entscheidende sitzung zu Vollziehen versuchte, um den als einzigen Kandidaten auf der Liste benannten Dieter Lenzen zum UNI Präsidenten zu wählen. Ubrigends gab es vor nicht alzu langer Zeit eine ähnliche Geschichte an der HAW !
Herr Lenzen ist Fördermitglied und Berater der »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft« (INSM). Dabei handelt es sich um einen neoliberalen »think tank«, der nachweislich und ohne jeden Hehl im Sinne seiner Erfinder – die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie – Medienmanipulation betreibt.
An der FU Berlin betrieb Lenzen Elitenförderung und forderte »Exzellenz«, Universitäten betrachten er als Unternehmen, deren »gesamtstragische Steuerung« in die Hände der Hochschulleitungen gebracht werden muss – Mitbestimmung? Demokratie? Fehlanzeige!
Wegen seines Umgangs mit den Selbstverwaltungsgremien an der FU Berlin sind seine Tage dort gezählt.
Ein guter Wind weht für nachhaltige Veränderungen.
Hin zu selbstbestimmtem Lernen,Weg von prekären Verhältnissen und der egozentrierten Creditpoint Jagd. Ein Weg kann sein die Selbstverwaltungsgremien unserer Hochschule durch geeignete Mittel zu selbstbewustem Handeln zu befähigen und durch Vernetzung und vernetztes Denken zu einer wahrnehmbaren,
durchsetzungsstarken und ihrer Verantwortung bewussten Interessen Vertretung zu werden.
Ich glaube Nein! (le non)
Ich war etwas irritiert ob der dekonstruktiven Kritik, welche einer Vorverurteilung gleich kommt. Zudem ist es auch bedauerlich das du hier von dir selbst auf andere zu schließen scheinst. Um deinem Unverständnis Abhilfe zu leisten bitte ich hier um weitere Fragen da ich obige nur mit »Ja« beantworten kann.
Ein weiteres, nicht angesprochenes Problem sehe ich in dem fast nicht vorhandenen Verständnis der Hochschulleitung und auch der Professoren. Bei uns ist auf Grund des Streiks noch nichts ausgefallen und im aktuellen Semester ist auch jedes verpasste Seminar eines, was man doppelt so lange nacharbeiten muss.
Da steht man schnell vor der Entscheidung: Streik und dadurch hinterherhinken oder im Studium voranmachen, um nicht im schlimmsten Fall ein weiteres Semester studieren zu müssen, welches wieder Kosten produziert.
Hinzu kommt, dass durch die Labore bei uns im dritten Semester alles an Freizeit bzw. Streikzeit so zugeplant wird, dass man froh sein kann, wenn man Wochenende hat.
Man erlebt sozusagen genau jenes, was auf dem Streik kritisiert wird, live ständig mit.
dass Ihr versucht, bei uns für den Bildungsstreik zu werben.
Wer noch einen guten Grund braucht, am Streik teilzunehmen, sollte sich mal fragen, wie viel von den Studiengebühren denn wohl so beim Department Design ankommt.
Rein rechnerisch müsste unser Department pro Jahr über 1 Mill. allein an Studiengebühren zur Verfügung haben. Der GANZE Etat liegt aber bei knapp 400.000
kein Wunder also, das demnächst die Labore gar nicht mehr genutzt werden können. Was das mit Verbesserung der Lehre zu tun hat, weiß nur Gott.
GEHT DEMONSTRIEREN!
also ich hab leider auch überhaupt gar nichts davon mitbekommen, sonst hätte ich sicherlich mitgemacht.
ich weiss jetzt nicht, wie das so gelaufen is, ob mit plakaten oder mundpropaganda?
ich denke wenn man das nächste mal alle mit dem termin und der aktion so richtig zuspammt, dann geht da noch was...ich hoffe es jedenfalls, und ich finds toll, dass sowas überhaupt noch an den start gebracht wird und leute sich dafür einsetzten dass sich das ganze bildungssystem an unserer uni mal in eine etwas sinnvollere richtung entwickelt!
Zu der öffentlichen Malaktion würde mich interessieren :
Wie waren die Reaktionen der Passanten ? Wurde überhaupt reagiert ? Wurde verstanden ,dass das ganze eine Botschaft hatte ?
Wie war die Reaktion der Polizei ?
Wurden Flyer oder Infomaterial an die Passanten verteilt ? Weil ist ja gut wenn man so Leute informieren kann.
Wie war die Reaktion oder Unterstützung der Profs. ?
Zur Mobi für die Kundgebung am 17.11 kann man sagen , dass sie insgesamt zu kurzfristig war. Da hätten wir uns mehr beeilen müssen. Tja hat aber leider nicht geklappt.
Ansonsten , wenn man sich an der HAW nicht sieht , trifft man sich ja im hoffentlich für immer besetzten Audimax. Da sind ja oft genug HAWler.
Ist es vielleicht für die HAW - abhängig vom jeweiligen Department - eine Frage der individuellen Mentalität und des jeweiligen Leidensdrucks, um »Streik« als Ausdrucksform politischer Meinung zu wählen?
Mit welchen Mitteln lässt sich eine grundsätzliche politische Sensibilisierung, als Voraussetzung für die thematische Auseinandersetzung, erreichen?
Ist »Streik« die einzig richtige und wichtige Form politischer (An-)Teilnahme?
Macht es Sinn, die Argumente und die Botschaften des »Bildungsstreiks« auch in anderer Form und mit dem Ziel der Nachhaltigkeit an die Studenten zu bringen?
Muss man eventuell neben grundsätzlicher Bologna-Kritik auch konkrete Konzepte für Departments entwickeln, was an welcher Stelle verbessert werden sollte/muss? (siehe Dept. D Flashmob)
Sollten mehr Informationspakete über die Inhalte der politischen Auseinandersetzung geschnürt werden, um diese gezielt zu streuen?
Ist es gut, stärker das Gefühl individueller Betroffenheit zu erschaffen - und vielleicht auch einfach mal vor der eigenen Haustür streiken - um folglich einen größeren Rekrutierungspool für kommende Streikaktion zu generieren?
Sollte die Gunst der Stunde stärker in den Streik-Apell mit einfließen, indem man deutlich macht, dass momentan einiges in Bewegung ist und zu bewegen ist?
Ist es hilfreich zu erklären, dass sich die Kultusminister gewahr sind, dass Bologna nicht heißen darf, dass »alter Wein in neue Schläuche gegossen wird« und weiterhin versprechen »Gespräche mit autorisierten Vertretern der Studierenden wie angekündigt fort[zu]setzen«? (http://www.kmk.org/)
Wäre es in diesem Zusammenhang nicht wieder sinnvoll konkrete Konzepte, sowohl für den hochschulpolitischen Makro- wie auch Mikrokosmos, deutlich und nachhaltig vorzulegen und in diesem Sinne innerhalb der Studentenschaft dafür zu werben?
Könnte es nützlich sein, einen Dialog zwischen AStA und studentischer Interessenvertretung auf Departmentebene massiv auszubauen?
Muss das wechselseitig wirkende »Top-Down-Bottom-Up«-Prinzip dementsprechend besser organisiert und strukturiert werden?
Sind all diese Fragen eigentlich Lösungsansätze?
Diese Fragen finden ihre Antwort, mit oder ohne Begründung, in Teilen bereits schon im Beitrag. Der Fragenkatalog soll dementsprechend nicht suggerieren, dass das alles unangetastete Felder sind. Weiterhin sind die Fragen nicht ausschließlich rethorisch gemeint, sondern entspringen hier und da einer tatsächlichen Unwissenheit/Ungewissheit/Uninformiertheit; will heißen, die sind alle ernst gemeint.
Bei dem Flashmob hatten wir durchweg nur positive Reaktionen von Passanten. Alle fanden gut, dass endlich wieder etwas passiert...
Was die Botschaft betrifft: Einige Leute haben nachgefragt und dann erklärt bekommen, um was es geht. Andere dachten wir wären ein Kunstkurs.
Wie war die Polizeireaktion?
Wir haben einen sehr freundlichen Polizisten erwüscht, der uns freundlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir uns beim Rathaus in der Bannmeile befinden und dass wir bitte die Güte haben sollten doch ca. 30 Meter weiter zu gehen. Als wir das gemacht hatten, wurden noch auf ein paar weitere Dinge aufmerksam gemacht. Das Nette war, dass er uns erklärt hat, dass wenn es eine geplante, organisierte Aktion gewesen wäre und ein Verantwortlicher sich in der Bannmeile bekannt hätte, derjenige Strafe hätte zahlen müssen.
Wenn jemand mehr Infos zur Bannmeile hat bitte gerne weitergeben! Was darf man in der Bannmeile und was nicht. Besteht sie immer oder wird sie zu bestimmten Anlässen verhängt?
Die Profs haben wir da bis jetzt außen vor gelassen, aber seit dem 17.11. hängen bei uns im Foyer von Studenten geschriebene Anklagen an die Hochschule, was sich verändern sollte. Mit einigen stimmen wir im FSR zu, mit anderen nicht. Erstaunlich ist nur, dass diese Anklagen nicht abgehangen werden oder wir der FSR darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir dieses dort nicht hinhängen dürfen. Da selbst das Dekanat unsere Aktion ausgeblutet vom letzten Semester unterstützt hat, ist davon auszugehen, dass wir auch weiterhin unterstützt werden.
Nochmal zur Erinnerung:
Zum 12.12.09 12h am Dammtor ist die Demo gegen Studiengebühren angesagt. Wir wollen noch mehr Politikermasken drucken und sie bei der Demo tragen. Außerdem würden wir gerne neue Demosprüche entwickeln, da die anderen so 70ger mäßig sind. Und wir eine neue, andere Bewegung sind.
Wer Lust hat konstruktiv mit uns vom FSR Design etwas weiter zu entwickeln, meldet euch unter unserer neuen E-mailadresse: fsr_design@haw-hamburg.de.
Vorbereitungstreffen für die Demo ist am 7.12. um 18h im FSR-Raum in der Armgartstr. 24 (U Uhlandstr.).
Wir vom FSR werden vom 30.11. bis 4.12. eine Infowoche in der Armgartstr. veranstalten und in jeden Kurs reingehen, um einfach alle zu erreichen und zu mobilisieren...
LEUTE GEHT AM MI ZUR ASTA-WAHL!!! Welcher Vorstand gewählt wird, entscheidet mit darüber wie der studentische Kurs an der HAW weitergeht. Denn auch die FSRe werden nur Geld für bestimmte Aktionen bekommen, wenn die richtigen Leute da sitzen. STELLT FRAGEN!
Dementsprechend machen auch solche Menschen einen Denkfehler, die glauben, hier ginge es um »Protest aus Prinzip«. Wenn dem Handeln der gelebte Anspruch gesamtgesellschaftlichen Mehrwert zu produzieren vorgeschaltet ist, kann es niemals um »Protest aus Prinzip« gehen. Andernfalls wäre man nicht anders als der Hund, der versucht sich selbst in den Schwanz zu beißen.
Man kann den Bologna-Prozess und die damit einhergehende Ökonomisierung von Hochschulen natürlich dadurch rechtfertigen, dass das man sagt, es müsse eine wirtschaftliche Anpassung an das Gesamtsystem stattfinden, damit der Laden läuft. Das mag auch stimmen. Wenn allerdings finanzwirtschaftliche Maßstäbe für diese Anpassung angewandt werden, dann beginnt spätestens hier der Streit mit mir, weil ich die Gefahr sehe, dass sich auch hier eine Blase entwickelt, eine Bildungsblase. Die Kopplung und vor allem die Bewertung von Bildung durch Geld bzw. ökonomischen Nutzen ist heikel und riskant. Es kann nicht darum gehen, den Sinn von Studiengängen (und damit deren finanzielle Bezuschussung) über deren ökonomische Relevanz zu definieren.
Ausgerechnet ein Prinzip als Maßstab zu verwenden, dessen systemische Funktionalität heute - mehr denn je - auf dem Prüfstand steht, halte ich in diesem Zusammenhang für gewagt bis rücksichtslos gegenüber den eigentlichen Profiteuren des Bildungssystems: den Studenten, ausgeweitet: der Gesellschaft. Die Wirtschaft ist nicht die Gesellschaft, aber es macht den Eindruck als entwickle es sich immer mehr dahin.
Um eine derartige Systemkritik zu betreiben, bedarf es allerdings auch einer Selbstkritik, damit sie glaubhaft sein kann. Innerhalb von Hochschulen gibt es die Möglichkeit zur studentischen Mitbestimmung, also eine demokratische Komponente. Insbesondere für die HAW gilt, so meine Erfahrungen, dass diese von Studenten jedoch selten und unzureichend genutzt werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: mangelndes Interesse, mangelnde Wahrnehmung und mangelnde Zeit sind nur einige, wesentliche Faktoren.
Dementsprechend muss der systemkritische Apell in beide Richtungen formuliert werden: Studenten tragen eine genau so wesentliche Mitverantwortung bzgl. vorherrschender Zustände wie jene, die sie von oben zu diktieren versuchen.
Weitere Infos auf www.hawbrennt.blogspot.com
Kommt uns aus anderen Departments besuchen und macht mit!!!