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Verbindungen knüpfen

 

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Kamera & Postproduktion: Kai Hager | Redaktion: Ole Masch | Sounddesign: Karsten Krutisch

Interview mit Karl Dietrich Seikel

Karl Dietrich Seikel war langjähriger Geschäftsführer der SPIEGEL-Gruppe und Vorstandsvorsitzender des Fachverbands Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger. Er ist Vorstandsmitglied des Vereins Neue Kunst in Hamburg und sitzt im Aufsichtsrat der Hamburg Media School. 2006 bekam er für sein ehrenamtliches und berufliches Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zum Interview traf sich info-parkour.de in einer Villa in Hamburg Pöseldorf. Von dort aus ist Seikel unter dem Firmennamen Seikel&Sons als Medienberater tätig.


Herr Seikel, was würden Sie als ihre derzeitige Haupttätigkeit beschreiben?

Seit ich im letzten Jahr vollständig beim SPIEGEL ausgeschieden bin, konzentriere ich mich ganz auf meine Beratungsaufgaben. Ich habe eine Reihe von Aufsichtsratsmandaten. Zum Beispiel arbeite ich bei dem größten Schweizer Verlag Tamedia im Verwaltungsrat mit. Außerdem mit Jung von Matt und im Aufsichtsrat der finnischen Papierfabrik Myllykoski.

Sie sind vom Hamburger Senat als Mitglied des HAW Hochschulrates bestimmt worden. Wie kam es dazu?

Ich glaube, Herr Dräger erinnerte sich an meine Mitarbeit in der Hochschulstrukturreformkommission unter dem Vorsitz von Klaus von Dohnanyi. Auf einem der verschiedenen Anlässe, wo ich den Senator treffe, hat er mich gefragt, ob ich beim Hochschulrat mitarbeiten würde.

Was verbinden Sie mit der HAW? Spielte diese für Sie persönlich vor ihrer Mitgliedschaft im Hochschulrat eine bestimmte Rolle?

Bevor ich die HAW im Rahmen der Reformkommission kennen lernte, wusste ich gar nicht, dass sie existiert. Dann habe ich mich erst nach der Berufung ausführlicher mit ihr auseinandergesetzt. Zum Beispiel bei einem Treffen mit ihrer Dekanin Frau Wenzel.

Also ist auch die Fakultät DMI erst nach der Berufung in ihr Bewusstsein gerückt?

Ich erinnere mich, dass ich Absolventen in der SPIEGEL-Dokumentation kennen gelernt habe. Ich weiß, dass Design eine große Rolle spielt.

Inwieweit kann der Hochschulrat die Belange einer Fakultät erkennen?

Das kann ich ihnen nicht beantworten, da ich völlig neu in dieser Funktion bin.
Dank der Offenheit ihres Präsidenten Stawicki habe ich aber für mich beschlossen, weitere Informationen über die eigentlichen Sitzungen hinaus einzuholen. Auch im direkten Kontakt mit Professoren, Studenten oder Wissenschaftlern. Für mich reicht das schon als Motiv, um im Hochschulrat mitzumachen.

Wie sieht die Arbeit in der Praxis aus?

Ich glaube, es wird zwei bis drei feste Termine im Jahr geben. In Zukunft ist vorgesehen, dass wir einzelne Fakultäten kennen lernen. Die Hochschulverwaltung wird uns dazu ein Programm anbieten.

Im Hamburgischen Hochschulgesetz heißt es: »Als Mitglied im Hochschulrat können mit dem Hochschulwesen vertraute Persönlichkeiten bestimmt werden.« Inwieweit sind Sie mit dem Hochschulwesen vertraut?

»Vertraut« sein ist ein hoher Anspruch. Ich bin nicht Hochschul- oder Bildungsexperte, aber habe selbst an zwei Hochschulen studiert. Das war '68, als die Johann Wolfgang Goethe Universität für kurze Zeit Karl Marx Universität hieß. Intensiver habe ich die Hochschule in meinen Jahren als Dozent für VWL an der Uni Frankfurt kennen gelernt. Danach bin ich allerdings in die Industrie gegangen. Eine intensive Kenntnis muss ich mir nach diesen vielen Jahren erst wieder erarbeiten. Außerdem haben meine Söhne studiert und da kriegt man eine Menge mit. Wir werden uns im Hochschulrat nicht weltfremd verhalten.

Können Sie uns kurz schildern, welches die genauen Aufgaben des Hochschulrates sind?

Der Hochschulrat, wie das in meinem Ernennungsschreiben so schön heißt, soll die Verbindung der Hochschule zur Gesellschaft leisten. Ein ziemlich hoher Anspruch. Ob man ihn erfüllt, weiß ich nicht. Ich sehe aber, dass relevante Vertreter der Gesellschaft berufen wurden. Konkret bestimmt der Hochschulrat den Präsidenten und wird bei wichtigen Personalentscheidungen gehört. Er muss sich letztlich die Finanzen ansehen, die wir diesmal nur zur Kenntnis genommen haben. Ob der Einfluss größer wird, muss man der Praxis überlassen.

Ich sehe als Hauptaufgabe die Beratung. Zum Beispiel: Wo liegen  Forschungsschwerpunkte der Zukunft? Wie kann man in Konkurrenz zu anderen Hochschulen eine Eigenständigkeit herausarbeiten? Wo liegen die Vorteile der Hochschule? Das sind Fragen, die wir diskutieren.

Kritiker befürchten, dass der Hochschulrat die Hochschule nach rein wirtschaftlichen Interessen umgestaltet. Wie würden sie das bewerten?

Ich würde erst mal fragen, was wirtschaftliche Interessen sind. Jeder Student hat wirtschaftliche Interessen. Das Wort »rein« ist möglicherweise ein Problem. Ich sehe das nicht. Auch bei der Hamburg Media School, die zum großen Teil direkt von der Wirtschaft finanziert wird, stehen die Interessen der einzelnen Verlage natürlich hinter dem Ausbildungsinteresse zurück. Das wäre umgekehrt auch nicht gut und wird so nie gehen.

Die HAW ist traditionsgemäß nie ohne die Wirtschaft unterwegs gewesen. Ich glaube, sie hat zwei Lehrstühle, die gestiftet sind. Es gibt vielleicht in Zukunft noch den einen oder anderen, der dazu kommt. Wirtschaftliche Interessen spielen bei all dem, was wir an Ausbildungspolitik in diesem Land machen, eine Rolle. Aber dass man den reinen Nutzwert für einzelne Unternehmen 1:1 in Lehrpläne umsetzt, das wird es nicht geben.

Sie erwähnten, der Hochschulrat solle eine Vertretung der Gesellschaft an der Hochschule sein. An der HAW gehören alle externen Mitglieder der Wirtschaft an. Andere Gruppen wie Sozialverbände oder Gewerkschaften sind nicht vertreten ...

Ich weiß, dass man sehr gerne jemand aus den Kirchen dabei gehabt hätte.
Die Dame, um die es da ging, war leider schon in einem anderen Hochschulrat engagiert. Der Wunsch, das sehr breit zu streuen, ist aber da. Bei den externen Mitgliedern kann es sein, dass alle aus der Wirtschaft stammen, das müsste ich mir noch mal ansehen. Ich muss gestehen, dass ich gar nicht weiß, wer außer mir noch vom Senat bestimmt wurde.

Der Hochschulrat wurde mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattet, welche zuvor zum Teil der Hochschulsenat innehatte. Was verspricht man sich von einer solchen Kompetenzverlagerung?

Es sind die Impulse von außen. Der Hochschulsenat ist drittelparitätisch besetzt. Möglicherweise neigt ein solches Gremium dazu, eine innere Sicht der Hochschule zu pflegen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Berufung von Externen das Blickfeld etwas öffnet. Ob das gelingt, werden wir in ein paar Jahren sehen.

Durch die Drittelparität ist den Studenten im Hochschulsenat die Mitbestimmung zugesichert. Im Hochschulrat ist dies nicht der Fall ...

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber es ist ja nach wie vor so, dass der Hochschulsenat mit Zuständigkeiten existiert. Die Frage, wie die Arbeitsteilung zwischen den beiden Gremien funktioniert, ist ein Prozess. Man kann nicht sagen, dass sich Wesentliches von hier noch dort verlagert hat. Im Grunde genommen werden viele Sachen im Senat vorentschieden und der Hochschulrat nimmt das zur Kenntnis. Ich glaube nicht, dass der Hochschulrat ein Budget, was im Senat Zustimmung gefunden hat, ohne Weiteres verändern kann. Diejenigen, die an der Hochschule ihre Zeit verbringen, müssen auf die Entwicklung der Hochschule den entscheidenden Einfluss haben. Der Hochschulrat kann nur ergänzen und aus der Erfahrung vielleicht das ein oder andere zu bedenken geben. Ich denke aber nicht, dass wir die Grundentscheidungen und damit ihre Entscheidungsstruktur völlig verändern.

Wie verbinden Sie Ihre Arbeit im Aufsichtsrat der HMS mit der im Hochschulrat der HAW?

Darin liegt eine ganz große Chance, weil ich die Beteiligten kenne. Bei der HMS bin ich von Anfang an dabei und kenne die Schwierigkeiten, die es in der Anlaufphase gab. Mir sind die Verlage und die handelnden Personen sehr gut bekannt. Ich traue mir zu, dass ich Verbindungen knüpfen kann. Erst vor Kurzem hatte ich einen Termin mit der Leiterin des HMS-Studiengangs Journalismus, wo ich um eine Rückmeldung über mögliche Kooperationsfelder gebeten habe. Einrichtungen könnten gemeinsam genutzt werden und für die HAW bestünde die Möglichkeit, auch von der Miami Ad School und der HMS zu profitieren. Viele positive Anstöße erhoffe ich mir durch den gemeinsamen Campus.

Die Studierenden an der HMS zahlen aber doch sehr viel Geld für ihr Studium ...

Naja, Sie zahlen ja auch Studiengebühren, auch wenn die an der HMS wesentlich höher sind. Das ist ein Unterschied, aber daran sieht man auch den Unterschied im Angebot der beiden Institutionen. Beide haben ihre Berechtigung und ich gehe davon aus, dass beide auf dem Mediencampus zusammenrücken. Wir sollten uns gegenseitig befruchten und voneinander profitieren. Ich weiß, dass es Berichte in der Presse gab, die bei der HMS für ein bisschen Aufregung gesorgt haben. Man kann aber sicher diese weitestgehend auf Vorurteilen beruhenden Themen noch mal offen diskutieren und wird dann sehr schnell eine konstruktive Richtung einschlagen.

Wo positionieren Sie die Fakultät DMI im Vergleich zur HMS?

Wie sich das Verhältnis in Zukunft entwickeln wird, kann man nur skizzieren. Ich stelle mir vor, dass man in gewisser Konkurrenz miteinander die Angebote vorstellt. Diese unterscheiden sich übrigens nach meinem ersten Eindruck sehr voneinander. Die HMS liegt mit ihrem postgraduierten und berufsbegleitenden Angebot nicht in Konkurrenz zu den Angeboten Ihrer Fakultät.

Ich glaube, wenn man näher zusammenrückt, wird sich das sehr befruchten. Wir merken das schon bei der Kooperation zwischen HMS und HFBK. Wenn der Mediencampus mit der HAW angereichert wird, bekommt das eine Größenordnung, die im Vergleich zu anderen Hochschulen sehr gut dasteht.

Ich sehe die Möglichkeit, als Hochschulrat auf der einen und als Aufsichtsratsmitglied auf der anderen Seite, etwas für eine fruchtbare Zusammenarbeit zu tun.

Können Sie uns abschließend sagen, was konkret im Hochschulrat für die nächste Zeit geplant ist?

Nein, wir haben noch keine Tagesordnung für die nächste Sitzung. Auf jeden Fall soll der neue Hochschulrat die Hochschule als Institution und in ihren Fakultäten näher kennen lernen. Da wird sich die Verwaltung und das Präsidium sehr schnell etwas ausdenken. Da sind die ganz erfindungsreich. 

Vielen Dank für das Gespräch.

[April 2008]

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