Microsoft besetzt derzeit, globeandmail.com zufolge, mit seinem Internet Explorer über 73 Prozent (Mozilla mit Firefox über 19 Prozent) des weltweiten Browsermarktes. Mozilla und Google haben sich gerade bis 2011 verpartnert. Dass die Veröffentlichung von Google Chrome als die Beerdigung des Firefox-Browsers zu verstehen ist, wird man beobachten. Apples Safari hat derzeit einen Marktanteil von 6 Prozent.
Google Chrome überzeugt nicht durch Funktionsvielfalt. Der Browser ist schlank, ohne Überfluss auskommend (Eingabefeld, vier Buttons), zuverlässig und stabil. Nach dem gleichen Prinzip setzte sich vor zehn Jahren auch die Suchmaschinenseite durch. Chrome scheint im Grunde ein Programm, um Googles eigene Anwendungen, eine Palette an Produkten (Google Analytics, AdSense, AdWords etc.), optimal, sprich, wesentlich schneller und stabiler laufen zu lassen als auf den bisherigen Browsern, dem Internet Explorer, Firefox oder Opera. Grundsätzlich wollen die Kalifornier mit der Neuheit auch lästige Ladezeiten verkürzen. Dem Spaß am Surfen soll kein Browser mehr im Wege stehen, so Sundar Pichai (Produktmangement Google).
Im Bereich der Desktop-Software ist Google Chrome ein Angriff auf das bisher Bestehende, veröffentlicht als OpenSource (inklusive der schnelleren Java-Engine). Funktioniert der Revolutionsgedanke aus Kalifornien, schafft Google den Sprung aus der Browserabhängigkeit heraus direkt an den User und seine Nutzerdaten bzw. -profile heran. Das schafft auch neue Kundschaft, Reichweiten, Online-Zeiten und folglich ein herrliches Plus an Werbeeinnahmen. Chrome gibt es zunächst nur für Windows. Versionen für Linux und OS X folgen.
[September 2008]

6 Kommentare
Schön und gut, dass Ihr Chrome so positiv darstellt, aber was ist mit den Tücken?
Wer Chrome runterlädt, bekommt eine individuelle Nummer und kann so stets getrackt werden. Wer Inhalte über Chrome ins Netz stellt, überträgt die Rechte der Inhalte an Google. Wer dann noch einen Googlemail-Account mit dem Browser koppelt, ist komplett gläsern.
Zudem ist Chrome eine noch nicht ausgereifte Beta-Version.
Aber wenn Ihr recherchiert, findet Ihr sicher einige Artikel und Erklärungen, warum das Bundesamt für Datensicherheit (BSI) dringend vor der Benutzung des Browsers warnt!
Das über 80 Prozent der deutschsprachigen und kommerziell erfolgreichen Webseiten-Betreiber zudem Google-Analytics nutzen, um das User-Verhalten ihrer Besucher zu studieren, ist kein Geheimnis. Unsere Daten gehen also nicht erst seit Chrome an Google. Jetzt noch etwas direkter, weniger auf Umwegen. Wer im Netz unbemerkt zu surfen glaubt, ist ... ja was ist der eigentlich?
Der Artikel ist eingestellt worden, als Google Chrome ein Tag auf dem Markt war. Nun folgen, so ist das im Netz, Du weißt das sicher, Berichte über Babykrankheiten und die ebenso jeder Google-Diskussion immanenten Vorwürfe des Datenmissbrauchs. Nicht nur das Bundesamt warnte - das unabhängige Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein verweist schon seit Längerem auf diese durch Google-Produkte bestehenden »Gefahren«. Ist es nicht bemerkenswert, dass Google der erfolgreichste Suchmaschinen-Betreiber ist (oder die BILD die erfolgreichste Tageszeitung)?
Sicherlich kann »man« oder könnten »wir« jetzt nachlegen, mit einem kritischen Bericht. Ein Bericht über das, was bis heute, 13. September (und darüber hinaus) über Chrome, Googles Strategien nicht nur den Globus, sondern auch die Bedürfnisse der Menschen zu kartografieren, noch formuliert wurde, wird ... und das schon Geschriebene wiederkäuen. Das wäre keine Kunst. Ein Kunststück wäre es wohl eher, in dem neu verfassten Schriftstück, dem Leser auch »Handlungsmöglichkeiten« aufzuzeigen oder aber eine realistische Einschätzung dessen, was uns erwartet wenn wir weiterhin via Google suchen, surfen und analysieren.
Und damit der Artikel dann nicht einseitig erscheint, sollte man in demselben auch von der anderen Seite berichten: Warum nutzen Menschen solche Produkte? Was haben sie alles davon? Oder warum sind wir unkritisch? Oder weshalb Google die erfolgreichste Suchmaschine ist. Wieso gibt es außerdem nicht mehr Kommentare unter unkritischen (?) Berichten?
Danke für den Deinen Kommentar. Ein Text zum angedachten kritischen Bewusstsein, zu den Tücken Google Chromes aus Deiner Feder, wäre uns eine Bereicherung. Auf der linken Seite, von hier aus gesehen, findest Du unsere Kontaktmöglichkeiten. Du bist herzlich eingeladen. Vielleicht aber hast Du jetzt auch keine Lust mehr oder findest meinen Kommentar einfach nur »dumm« und denkst Dir Deinen Teil. Oder Du hilfst einfach ab sofort mit die erkannten Schwachstellen (?) zu stärken und den anderen Menschen Handlungsmöglichkeiten statt »nur« noch mehr Informationen an die Hand zu geben. Denn nur die Warnung wird doch niemanden aufhalten, wenn Chrome durch vermeintlichen Mehrwert überzeugt. Andere Browser-Hersteller werden möglicherweise das Prinzip Googles so oder so übernehmen. Und dann? Werden wir dann nachdenken, ob wir lieber Microsoft, Google oder der Mozilla-Stiftung unsere Daten anvertrauen? Kritisches Bewusstsein ist toll. Aber was, wenn es in der Anwendung scheitert und nichts ausrichtet?
Marc
Deinen Kommentar finde ich ganz und gar nicht dumm und ich denke mir auch nicht nur meinen Teil, sondern schreibe ihn hier einmal rein.
Kommentare gibt es so wenige, weil die »unthinking majority« unterwegs ist. Aber die kritischen Geister sterben nicht aus. Hoffentlich!
Über das Gebahren Googles wurden schon Bücher geschrieben und könnten immer noch mehr Seiten gefüllt werden. Genauso über den Datenschutz, aber Du hast Recht: Informationen, WIE man die Daten schützt und sich relativ »unsichtbar« im Netz bewegt, gibt es kaum.
Dabei gibt es doch Onion-Router wie Tor und andere »Tricks«.
Gern würde ich Chrome selbst testen, allerdings stehe ich vor einer Zwickmühle: An meinem heimischen PC will ich den Browser nicht installieren, im Büro darf ich nicht.
Mein Chef hat tatsächlich eine »Chrome-Sperre« verhängt. Zurecht, in einem großen Verlagshaus sollten die Rechte an den Texten der Redakteure auch in der Redaktion bleiben.
Aber genug abgeschweift: Ich bleibe informiert und wenn mein Zeitplan es zulässt, schreibe ich Euch gern einen (kritischen und subjektiven) Bericht zum ewigen Thema »Don´t be evil«.
Einen schönen Sonntag!
Alle, die diesen Browser mal ausprobieren wollen, ohne vom mighty G ausspioniert zu werden, kann ich folgenden Link empfehlen: www.getiron.de.
Da hat sich jemand die Mühe gemacht, alle Funktags aus dem Sourcecode rauszupopeln, so dass nicht mehr gesendet wird.
Ein Audio-Interview mit dem Entwickler sowie weitere Infos könnt ihr hier bekommen:
http://www.cczwei.de/index.php?id=issuearchive&issueid=177#a455
Der Browser macht im Übrigen einen flotten und schicken Eindruck. Da Otto Normal sich einen Dreck um Datenschutz kümmert (ich sag nur StudiVZ u. Ä.) könnte Chrome durchaus Erfolg haben.
Beste Grüße,
Kaiser
Ich wollte auch nur kurz meinen Gedanken, den ich gerade in mir habe, zum Besten geben:
Ich weiß zwar, dass ich sicher nicht unsichtbar durch's Netz streife...aber es muss ja nicht noch schlimmer werden. ;)
ps: diesen Kommentar bitte nicht als Kritik am Artikel sehen...der Vergleich BILD Zeitung in einem Kommentar war auch sehr gut! :)