Hamburg, Ende September. Neue Stadt, neue Leute, keine Wohnung, neues Leben. Knapp zwei Monate ist es jetzt her, dass die Erstsemestler-Begrüßung im Thalia Theater stattfand und wir von der HAW Hamburg begrüßt wurden. Das war der erste Schritt in die noch ungewisse Zukunft. Jeder von uns hat bestimmte Vorstellungen, wo sein Leben hinführen soll, der eine mehr, der andere weniger. Da gibt es den Journalisten, die PR-Frau, den IT-Typen und den komplett orientierungslosen Kommilitonen, der überhaupt froh ist, einen Studienplatz bekommen zu haben. Die genau richtige Mischung für eine spannende Zeit.

Nach der Vorstellung im Thalia Theater fanden wir uns im Blauen Haus am Berliner Tor im Department Information wieder. Die ersten zarten Annäherungsversuche entwickelten sich ungewöhnlich schnell in ein freundschaftliches Miteinander. Wohnungslosen Kommilitonen wurde, ohne lange darüber nachzudenken, ein Schlafplatz angeboten, was die freundschaftlichen Beziehungen noch mehr vertiefte.

In der kommenden Woche sollten wir durch uns zugeteilte Tutoren, ebenfalls Studenten aus dem Studiengang Medien und Information, in das Hochschulleben eingeführt werden. In Kleingruppen wurde das Eis durch Kennenlernspiele gebrochen. Eine Rallye half uns, die Hochschule und deren Räumlichkeiten besser kennen zu lernen. Stadtspaziergang, Kneipentour und als Krönung der Woche die OE-Abschlussparty halfen auch den Nichthamburgern unter uns, ein Gefühl für die Stadt zu bekommen.

Anfängliche Träume jedoch zerplatzten wie Seifenblasen in der Luft. Zitate wie: »Hier werdet ihr nicht zum Journalisten ausgebildet«, »Der Bachelor wird euch hinterhergeschmissen« desillusionierten uns schnell. Die euphorischen Gesichter schlugen um und man begann sich die Frage zu stellen, ob dieses Studium den ursprünglichen Erwartungen gerecht werden könne. Ein undefinierbares Bauchgefühl war ständiger Begleiter der ersten Tage und verfolgte uns auch die nachfolgenden Wochen. Einige Professoren verbreiteten Unmut unter den Studenten, die eigentlich nicht die Absicht hatten, im Archiv zu enden.

Viele Erstis nahmen diese negative Stimmung auf und gaben ihr eine Plattform. Motzen auf hohem Niveau hieß die neue Devise. Doch schon bald nahmen wir einen Sinneswandel unter unseren Kommilitonen wahr. Ist nicht viel wichtiger, was wir selbst aus unserem Studium machen? Da kommt es weniger auf die Vorstellungen unserer Professoren an als darauf, wie wir selbst unsere Vorstellungen einbringen. Das breit gefächerte Studium der Medien- und Informationswissenschaften gibt uns die Chance, uns in verschiedenste Richtungen zu entwickeln und unsere eigenen Ideen zu realisieren.

[November 2008]