Studienauswahl - Wie bist Du zum Studium gekommen?

Noch vor eineinhalb Jahren hatte ich nicht vor, den Master zu machen. Doch das immer klarer definierte Berufsfeld und der heranreifende Wunsch, später an einem Traineeprogramm teilzunehmen, haben mich motivert, weiterzumachen. Außerdem hatte ich auch im sechsten Semester noch nicht das Gefühl, den persönlich gewünschten akademischen Qualifizierungsgrad erreicht zu haben. Zudem war mein bisheriges Studium fachlich sehr eingeschränkt, stellte nur einen untergeordneten Aspekt der Kommunikationswissenschaften im nationalen Kontext dar. Schlussendlich habe ich nicht die nächstbeste Festanstellung angenommen, sondern mich ausschließlich auf den Master »Informationsmanagement und -wissenschaft« in Hamburg beworben, der meinen Recherchen nach in dieser Art einzigartig ist.

Bewerbung - Wie ist Dein Eindruck zu den Aufnahmekriterien an Deinem Studiengang, wie empfindest Du sie?

Mir gefällt, dass es nicht nur nach Noten geht, sondern für den Master auch die berufliche Erfahrung, fachspezifische Qualifikation und die persönliche Motivation ausschlaggebend sind. Prinzipiell hat die Hochschule die Erwartungen an die Bewerber vernünftig angesetzt und kommuniziert. Die Feststellung der Affinität meines Bachelor-Studiums verlief unproblematisch. Das Modulhandbuch stand frühzeitig zum Download bereit und lieferte mir detaillierte Informationen zum Inhalt und Aufbau der Bachelor- und Master-Studiengänge. Daher hatte ich bezüglich der Anerkennung meines Bachelors auch keine Sorge, da ich sämtliche Lehrveranstaltungen, Inhalte und Credit Points der Bachelor-Studiengänge mit meinem Studiengang abgleichen konnte. Die angebotenen Informationsveranstaltungen konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht wahrnehmen.

Finanzierung - Hast Du einen Überblick, was Dein Studium Dich monatlich kosten wird? Waren das von vornherein maßgebliche Kriterien für die Studienplatzwahl? Gab es Probleme irgendwelcher Art? Ist die Finanzierung durchgehend gesichert?

Sämtliche direkt an die Hochschule/das Studentenwerk zu zahlenden Beträge belaufen sich auf monatlich umgerechnet ca. 107 Euro, sofern ich die Studiengebühren nicht stunden lasse. Hier in Hamburg habe ich meine Prioritäten anders gesetzt und leiste mir nun statt eines Autos eine eigene Wohnung, die mich ca. 400 Euro im Monat kostet. Der Verkauf meines Autos war das größte Opfer, das ich zu erbringen hatte.

Der neue, höhere BAföG-Satz und mein Nebenjob sorgen für ein ausreichendes Einkommen. Für ein konsekutives Master-Studium erhält man weitere vier Semester teilsubventionierte Förderung nach dem BAföG, weshalb ich wahrscheinlich auf einen Studienkredit verzichten kann.
Ich habe mich frühzeitig über die BAföG-Regelung informiert und mir für meine Unterkunftskosten ein Limit gesetzt. Ohne einen durchgehenden Finanzierungsplan hätte ich das Studium nicht begonnen.

Vom neuen Hamburger Studiengebührenmodell habe ich erst hier in Hamburg erfahren. Ich hatte mit 500 Euro bei Einschreibung/Rückmeldung zu Semesterbeginn gerechnet.

Ankunft Hochschule - Wie war die Landung? Wie hat die Institution auf Dich gewirkt, der Empfang? Wie waren Deine Erfahrungen innerhalb der OE-Woche, konntest Du soziale Nischen finden im Neuland oder Cliquenbildung wahrnehmen, tragische Phänomene, Orientierungslosigkeit?

Mit der Orientierungslosigkeit hielt es sich in Grenzen. Der Empfang durch den FSR war gut gemeint, nett organisiert und ein erster Lichtblick, wobei die Betreuerin meiner beinahe vergessenen Master-Gruppe mehr als unmotiviert wirkte. Mir ist aufgefallen, dass ich hier sehr proaktiv auf Studenten zugehen muss und bis auf einige wenige Ausnahmen davon überwiegend »Externe« und ausländische Studenten, eher eine Kultur des Schweigens und Schnell-Verschwindens vorherrscht. In meinem Bachelor-Studium konnte ich gleich zu Beginn im Rahmen eines Hüttenwochenendes meine Mitstudenten und Kommilitonen aus höheren Semestern kennen lernen. Die Cliquenbildung erstreckte sich daher nicht nur auf einzelne Leute oder einen Jahrgang, sondern jahrgangsübergreifend auf alle Studenten meines Studiengangs. Dieses Wir-Gefühl blieb. Ich hoffe, dass sich hier an der HAW etwas Ähnliches einstellen wird und bin noch guter Dinge.

Erste Lehrveranstaltungen - Das Ende der Träume oder die Bestätigung der Vorstellung?

In der Regel bestätigen die Lehrveranstaltungen meine Vorstellung. Jedoch wird bei einigen Veranstaltungen immer deutlicher, dass die Themenabgrenzung optimiert werden muss. Als ehemaliger »Pilot-Bachelor«- und nun »Pilot-Master«-Student bin ich so etwas jedoch gewohnt.

Die vier Schwerpunkte in meinem Studium sind meinem bisherigen Eindruck nach nicht ausgewogen im ersten Semester vertreten, obwohl sie das sollten. Der Verlauf des zweiten »Research&Venture«-Projektsemesters ist auch für die ProfessorInnen noch ein wenig diffus.

Dieser Pioniercharakter gefällt mir aber prinzipell ganz gut, gibt er mir und meinen Kommilitonen doch die Freiheit, selbst an der Ausgestaltung des Masters teilzuhaben.

Campus - Was fällt Dir ein zu ihm?

Unter einem »Campus« verstehe ich mehrere flache Gebäude, Grünflächen, vielleicht eine freistehende Mensa oder sogar einen kleinen Sportplatz. Den »Campus« am Berliner Tor nehme ich daher mild ausgedrückt als typischen Großstadt-Campus mit all seinen Nachteilen wahr, der statt in die Fläche eher in die Höhe baut. Dabei wirken die Gebäude so, als wären sie nie für eine Hochschule konzipiert worden. Die Flure sind unwirtlich, es fehlt an Sitzmöglichkeiten, Aufenthaltsbereichen und Plätzen zur Sozialisierung mit anderen Studenten. Die Aufzuganordnung und -steuerung ist wenig durchdacht, wirkt nahezu irrsinnig. Einzig das Fitnessstudio ist ein attraktives und herausragendes Merkmal.

Mir fehlen die stets gut gefüllten Balkone meiner bisherigen Hochschule, die gemütliche Cafeteria, in der man gerne Projektarbeit gemacht hat, der große, einem Biergarten ähnliche Außenbereich und der begrünte Innenhof, auf dem Partys gefeiert wurden. Mittlerweile verstehe ich besser, weshalb meine Kommilitonen gleich nach den Vorlesungen fluchtartig den »Campus« verlassen.

Ich setze all meine Hoffnungen auf die Finkenau.

[Oktober 2008]