Du bist seit über einem Jahr beim AStA. Was war Deine Intention, hier mitzumachen?

Ich wollte etwas verändern. Durch Zufall habe ich jemanden kennen gelernt, der hier dabei war. In die Gleichstellung bin ich so reingerutscht und musste mich erstmal einarbeiten.

Was sind denn Deine Aufgaben?

Zuerst natürlich, Ansprechstelle für Studenten zu sein. Egal ob Mann oder Frau. Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich für die Verknüpfung zur Stabsstelle Gleichstellung der HAW und zu anderen ASten zuständig. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass beim Career Service Frauenkurse angeboten werden.

[Quelle: Jakob Börner, Absolvent Department Design]

Und wie groß ist der Anteil Deiner Arbeit zum Thema Studieren mit Kind?

Fast 100 Prozent. Mit Gleichstellung haben wir kaum zu tun. Der größte Teil geht wirklich für die Kinder drauf.

Wie Häufig wird die Sprechstunde genutzt?  

Relativ selten. Die meisten tauchen erst auf, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und sie zum Beispiel exmatrikuliert wurden. Sinnvoll wäre es, spätestens nach der Geburt zu kommen, damit die finanziellen Ansprüche geklärt und die Betreuungsangebote genutzt werden können. Die wenigsten kommen während der Schwangerschaft. Meistens erst, wenn es Stress mit dem Partner gibt, sie zu Hause rausgeflogen sind und nicht wissen, wohin.

In der Vergangenheit gab es auch Probleme mit einer Umstellung an der HAW. Es muss jetzt jedes Jahr ein Antrag auf Studiengebührenbefreiung gestellt werden und nicht einmalig wie früher. Das haben viele nicht mitbekommen und wurden exmatrikuliert.

Warum hat die HAW das gemacht?

Das kann ich mir nicht wirklich erklären, obwohl wir bei vielen Gesprächen dabei waren. Wenn Eltern jedes Semesters eine kostenpflichtige Meldebestätigung für das Kind anfordern müssen, ist das eine zusätzliche finanzielle Belastung. Eigentlich kann davon ausgegangen werden, dass Studenten, die in diesem Semester ein Kind haben, im nächsten Studienhalbjahr immer noch mit Kind studieren. Seit den neuen Studiengebühren müssen sowieso alle zahlen.

Das Problem ist, dass wir für Studenten, die exmatrikuliert wurden, nicht mehr viel machen können. Wir haben aber immer versucht, uns zu einigen. Da, wo die Hochschule nicht auf die 500 Euro verzichten wollte, haben wir Ratenzahlungen vereinbart. Manchmal war es aber einfach schon zu spät.

Wie viele Studenten mit Kind gibt es eigentlich an der HAW?

Das kann ich aus dem Gedächtnis nicht genau sagen. Früher durfte es aus Gründen des Datenschutzes nicht erhoben werden. Durch die Anträge auf Gebührenerlass haben wir aber eine Zahl festgestellt (Anm. der Redaktion: zurzeit 483).

Und an welchen Fakultäten gibt es die meisten mit Kind?

Bei den Ökotrophologen haben wir viele. Im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich fast gar keine. Tendenziell ist es so, dass an den Fachbereichen, wo besonders viele Frauen studieren, entsprechend viele Kinder sind. Es studieren im Allgemeinen mehr Frauen mit Kind als Männer, wobei Väter meistens nicht auf uns zukommen.

Ist der Anteil der Beratungen in letzter Zeit angestiegen?

Am Anfang meiner Amtszeit war hier fast nichts los. Das ist jetzt deutlich mehr geworden. Vor mir war das Gleichstellungsreferat lange nicht besetzt. Es brauchte seine Zeit, es wieder ins Bewusstsein zu rücken.

Und wo ist Hilfe und Beratung am nötigsten?

Wir haben viele ausländische Mütter, die eigentlich wieder in ihr Heimatland zurückreisen müssten. Die haben hier in Deutschland geheiratet und sich dann wieder getrennt.

Ein großer Teil der jungen Eltern weiß einfach nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Wir stellen dann Finanzanträge, sprechen mit dem Studierendenwerk oder dem Jugendamt. Ein anderer großer Bereich ist die Kinderbetreuung. Also die Frage: »Wo schicke ich mein Kind hin, wenn ich bis 17.30 Uhr in der Vorlesung sitze?«

Könntest Du einige finanzielle Hilfen nennen?

Der BAföG-Satz für mit Kind wird neu berechnet und ist wesentlich höher. Zusätzlich gibt es Kindergeld oder Mittel für die Erstausstattung. Wie die Anträge zu stellen sind, findet sich übrigens alles in der Broschüre der Uni-Eltern wieder: Download Broschüre als PDF

Und wie sieht es mit der Betreuung aus?

Wir haben Kooperationsverträge mit verschiedenen Kindergärten. Dort können Studenten vorzugsweise ihre Kinder abgeben. Zuständig ist hier das Studierendenwerk.

Dann gab es noch unser Herbstprogramm im vergangenen Oktober. Die HAW bot die Möglichkeit an, während der Herbstferien ihre Kinder eine Woche lang ganztägig betreuen zu lassen. Eine Idee vom »Audit Familiengerechte Hochschule«.

Außerdem kümmert sich die HAW momentan darum, dass spätestens in zwei Jahren in der Stiftstraße ein Kindergarten eingerichtet wird. Zusätzlich zieht bald der Fachbereich Sozialpädagogik in die Alexanderstraße und übernimmt dort die Betreuung. Ein richtig spannendes Projekt, wo neue Methoden in der Kindererziehung und -förderung erforscht werden.

Ab welchem Alter kann man sein Kind betreuen lassen? Gibt es da eine untere Grenze?

Eigentlich nicht. Es gibt Tagesmütter, die auch vom Studierendenwerk organisiert werden. Dort werden auch die Kleinsten betreut. Wobei die meisten Professoren nichts sagen, wenn ein Kind mitgebracht wird.

Studenten nehmen ihre Kinder mit in die Hochschule?

Ja, gerade bei uns in Ökotrophologie gibt es selten eine Vorlesung ohne Kind. Häufiger sogar drei bis vier, die hinten ein bisschen rumtoben.

Und wie ist das Verständnis sonst? Kennst Du Fälle, bei denen es Probleme mit Professoren gab?

Das kommt schon vor. Aber jeder kam zu uns. Wir entscheiden zusammen, wie es dann weitergeht. Der Vorteil ist, dass wir den offiziellen Weg einschlagen können. Wir leiten das dann anonym weiter. Jeder Professor hat eine Akte, in der drinsteht, wenn etwas vorgefallen ist. Das Verständnis seitens der HAW ist in dem Punkt sehr groß.

Stichwort Kooperationen mit anderen Hochschulen: Welche Ansätze gibt es da?

Wir arbeiten mit den Uni-Eltern zusammen, die aus dem AStA der Uni Hamburg heraus entstanden sind. Die stellen uns ihre Informationsmaterialien zur Verfügung.

Alle paar Wochen finden Treffen statt, die dann auf ihrer Homepage bekannt gegeben werden. Dort findet ein Informationsaustausch statt, an dem jeder teilnehmen kann. Alle sind herzlich willkommen und kostenpflichtig ist es auch nicht.

Welche Veränderungen sind nötig, um die Situation von Studenten mit Kind zu verbessern?

Ich denke, die Studenten sollten einfach auf uns zukommen. Nur dann können wir eingreifen und auch besser mit der Hochschule zusammenarbeiten. Es gibt viele Möglichkeiten, die Studenten mit Kind nutzen können. Beispielsweise können Prüfungen nachgeschrieben werden. Ein Student ohne Kind hat vielleicht nicht die Chance dazu.

Und was wünscht Du Dir von der Hochschule?

Die macht wirklich viel. Und es gibt zahlreiche Angebote, die leider unbekannt sind. Die Hochschule könnte noch bessere Aufklärungsarbeit leisten. Auf der Homepage findet man nicht viel. Eine umfassende Broschüre für HAW-Studenten mit Kind wäre wünschenswert.

Ich denke, wir könnten sicherlich ein bisschen mehr Druck ausüben, damit die Dinge schneller gehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

[November 2008]