Ein wenig spontan kam das Angebot schon, zugegeben. Kurz vor den Weihnachtsferien zudem nicht unbedingt günstig für jeden gelegen. Doch – dank Kostenbeteiligung der Hochschule – bei gerade mal 20 Euro Selbstbeteiligung für zwei Tage nach Berlin zu fahren und an drei Angeboten teilzunehmen, hat seinen Reiz. Für uns Master-Studenten am Department Information war die Exkursion zwar kein Teil eines Seminars (angedacht war sie für die Teilnehmer des Medien-und-Information-Seminars »Medienwirtschaft und Kommunikationspolitik 2«), trotzdem wurde sie uns angeboten. Aus eingangs erwähnten Gründen hielt sich die Beteiligung jedoch leider stark in Grenzen.

Schade, wenn man bedenkt, dass Exkursionen, insbesondere über mehrere Tage, doch eher selten angeboten werden. Schade, bieten sie neben der Möglichkeit, Lehre und Lernen einmal aus ihrem üblichen Rahmen zu lösen, doch auch immer die Chance, sich gegenseitig besser, oder überhaupt, kennen zu lernen. Ist der Organisationsaufwand so hoch, dass er diese möglichen Erträge nicht generell wert zu sein scheint? Liegt es an der (nicht vorhandenen) Bereitschaft der Studenten, auch einmal Vorschläge zu machen und auf die Umsetzung dieser zu drängen, gegebenenfalls auch mit eigener Beteiligung?

Schlussendlich standen am Freitagmorgen vor den Weihnachtsferien gute 20 Studenten zur Berlin-Exkursion abfahrbereit. Zumindest fast. Da fehlte noch eine Kommilitonin, nein, es waren wohl sogar zwei. Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung fuhren wir schließlich ab, der letzte sprang noch in den Bus, als wir schon um die Ecke bogen. Vermutlich auch deswegen kamen wir recht knapp in Berlin an, so dass vor der anstehenden Besichtigung beim DeutschlandRadio keine Zeit mehr für einen Happen zu Essen blieb.

Es waren allerdings nicht die Mägen, die für den Lautstärkepegel sorgten, der die nette Dame vom DeutschlandRadio dazu veranlasste, in uns eine Schulklasse zu sehen, die sich nicht freiwillig am Hans-Rosenthal-Platz eingefunden hatte ...


Nach dieser Peinlichkeit und weil die Dame scheinbar Übung im Umgang mit desinteressierten, schwer zu bändigenden Schulklassen hatte, wurde es erstmalig nach der Abfahrt etwas ruhiger. Von professoraler Seite schien diese Situation als gegeben hingenommen zu werden; vielleicht war die resignierte Haltung auch einfach in vorangegangenen Erfahrungen begründet.

Das DeutschlandRadio hatte uns eine umfangreiche Einführung geboten; insbesondere natürlich in Archiv und Dokumentation. Besonderes Highlight war aber der »Geräuschesammler«. Dieser begeisterte durch die eigene Begeisterung an seiner Tätigkeit und Leidenschaft: Geräusche sammeln und auf ganz klar definierte Anforderungen der Hörspiel-Regisseure vom DeutschlandRadio wieder zur Verfügung stellen. Ein Einblick in sein Büro bildete den Ausgangspunkt für eine umfassende Führung durch das Haus. Auch der erst kürzlich fertig gestellte Aufnahmenraum war ausnahmsweise zu besichtigen – aus technischen Gründen waren die Aufnahmen für diesen Freitag abgebrochen worden. Besonders beeindruckend war hier, dass selbst eine Treppe, ein Fester und eine Tür – letztere ließen sich öffnen und schließen – zur Ausstattung des Aufnahmeraumes gehörten, um eben diese häufig in Hörspielen vorkommenden Geräusche so realistisch wie möglich klingen lassen zu können. Ebenso eine »Schnecke«, die es ermöglicht, sehr realistische Aufnahmen von sich entfernenden, sprechenden Personen zu machen. Ein letzter Blick noch auf den Fuhrpark. Ein doch etwas in die Jahre gekommener VW-Bus zog hier insbesondere die Aufmerksamkeit auf sich: Er ist für den schnellen Einsatz vorgesehen, da keine Erlaubnis für seinen Einsatz eingeholt werden muss, so wie es für die neueren Übertragungswagen der Fall ist.

Mit immer noch nichts in den Mägen war schließlich die Aufnahmefähigkeit erschöpft. Mit dem Bus nun noch zum Hotel, der Rest des Abends stand zur freien Verfügung. Abgestiegen sind wir im Ostel, einem »DDR-Design-Hostel«, wie es in eigener Sache heißt. Die meisten von uns landeten in Mehrbettzimmern, die als Pionierlager betitelt waren. Gemütlich wäre etwas anderes gewesen, aber für den Preis und lediglich zu Übernachtungszwecken waren die Lager annehmbar. Und unter Umständen war es ja tatsächlich so ungemütlich in damaligen Ost-Absteigen. Dies bestätigte sich beim Frühstück am nächsten Morgen: Ein älterer Herr an unserem Tisch klärte uns darüber auf, dass die provisorische Anmutung des Hostels damaligen Verhältnissen in der Tat sehr nahe käme. Nach dem Frühstück ging es ans Auschecken und mitsamt Gepäck in den Bus, um das erste Ziel des Tages anzusteuern. Vollzählig waren wir dabei nicht. Abgefahren wurde dennoch – in deutlich kleinerer, aber auch deutlich ruhigerer und interessierterer Zusammenstellung als am Vortag. Das mag für die wirklich Interessierten unter uns eine gewisse Entspannung bedeutet haben. Einen fahlen Beigeschmack hinterließ das Fehlen einiger Teilnehmer dennoch.

Es stellt sich die Frage: Ist die Teilnahme an dieser Veranstaltung nicht freiwillig gewesen? So wie die Studienwahl es grundsätzlich auch gewesen sein müsste? Wie kann dann ein derartiges Desinteresse zustande kommen? Von der Dreistigkeit, sich ungeniert auf Kosten der Hochschule einen netten Tag in Berlin zu machen und lediglich eine von drei angebotenen Veranstaltungen wahrzunehmen, einmal abgesehen.


Diejenigen, die am vorgesehenen Programm festhielten, fanden sich zunächst im Deutschen Technikmuseum Berlin ein. Eine Führung durch die mitgereisten Lehrenden und Audio-Guides des Museums hatte ihren Schwerpunkt verständlicherweise vor allem im Bereich der Kommunikationstechnik, des Radios und des Fernsehens. Die dritte der angesetzten Unternehmungen führte schließlich in das Deutsche Kinemathek – Museum für Film- und Fernsehen. Hier schlossen sich einige wenige der morgens im Ostel verbliebenen Kommilitonen an und zeigten somit noch ein Mindestmaß an Interesse und Anstand. Neben der ständigen Ausstellung der Deutschen Kinemathek, die die Film- und Fernsehgeschichte von ihren Anfängen an aufgreift, war eine Sonderausstellung zu Ehren von Loriot zu sehen.

Einzige Auflage für den Rest des Nachmittags und Abends war, sich um 20 Uhr am Brandenburger Tor für die Fahrt gen Hamburg einzufinden. Die Möglichkeit, sich noch einmal in Berlin umzusehen, wurde in kleinen Gruppen gerne wahrgenommen. Auch der ein oder andere Kontakt zu Studenten außerhalb des eigenen Semesters wurde so geknüpft. Erstaunlicherweise startete unser Bus zur Heimreise tatsächlich pünktlich und mit allen Teilnehmern. Auch jenen, die ihren Tag vermutlich ohne ein Museum von innen gesehen zu haben verbracht hatten. Logische Schlussfolgerungen ließen deutlich vermuten, dass es sich um kommerzielle Verkaufstätten gehandelt haben muss, die von innen besehen worden waren. Dass dieses Verhalten in irgendeiner Weise Konsequenzen hatte, wurde nicht deutlich.

Dass die Konsequenzen sich nicht in Unmut und künftigem Unwillen zur Organisation und Umsetzung von Exkursionen seitens der Lehrenden äußern, bleibt für alle Kommilitonen zu hoffen – sowohl die, die mit Interesse bei der Sache waren als auch für jene, die es in Zukunft sein wollen. Die Wertschätzung von Exkursionsangeboten und ein dementsprechendes Verhalten sind das Mindeste, was von uns Studenten an dieser Stelle erwartet werden kann.


[Januar 2009]