Es sind die »Spinner«, die Innovationen auf den Weg bringen. Risikofreudige Menschen mit Unternehmergeist, die ihre Energie in die Realisierung von Ideen investieren, deren Nutzen bisher niemand kennt. Manager sind im Vergleich zu Unternehmern Menschen, die Energie nur in Prozesse investieren, um sie zu optimieren und dadurch den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Für das längerfristige Überleben einer Organisation reicht das nicht aus. Da die Welt sich ausnahmslos Tag für Tag entwickelt, muss, was überleben will, sich den Veränderungen anpassen.

Die Organisation Hochschule: Ihr erfolgreiches Überleben hängt nicht nur von den staatlichen Mittelzuweisungen und ihrem akademisch ausgebildeten Personal ab, sondern auch von ihrer Entwicklungsfähigkeit. Der Markt und ihre Mitbewerber entwickeln sich, genauso die Anforderungen, die der Markt an seine Teilnehmer stellt. Am besten ist es also nicht, sich nur anzupassen – am weitesten kommt, wer vorausgeht.

Der österreichische Ökonom Joseph Alois Schumpeter glaubte an die Möglichkeit der schöpferischen Zerstörung, als die »Durchsetzung neuer Kombinationen« bereits vorhandener Ressourcen. Gute Ideen setzen sich durch, ganz gleich in welcher Organisation. Dazu bedarf es keiner neuen Ressourcen, sondern der Neukombination vorhandener.

Eine Hochschule verfügt nicht nur über die Ressourcen Geld, Personal und Zeit. Auch die Expertise ihrer Mitarbeiter stellt Ressourcen dar. Doch wie nutzt eine Hochschule die »Ressourcen« Intelligenz, Kreativität, Wissen, Erfahrungen oder die Bereitschaft einzelner, sich für sie zu engagieren?

Wenig Beachtung schenkt man zumindest dem strategischen Aufbau intelligenter Netzwerke, um einerseits Menschen und ihre Kompetenzen zusammenzuführen und anderseits dadurch Ideenaustausch und Innovationen gezielt zu ermöglichen oder nachhaltig zu fördern.

Professor Dr. Peter Kruse zufolge bestehen intelligente Netzwerke aus »Spinnern«, Wissenseignern und Netzwerkern. Kruse war einst im Bereich Experimentar- und Neuropsychologie verortet und hat sich mit dem menschlichen Gehirn und seinen Netzwerkstrukturen auseinandergesetzt. Durch einen biografischen Unfall, wie er selber es heute formuliert, hat er nach 15 Jahren Wissenschaft in die Unternehmensberatung gewechselt. Er ist überzeugt davon, dass gerade »Spinner« unkonventionelle Ideen zur Verbesserung bestehender Abläufe, Strukturen oder Arbeitsprozesse liefern und spannende Perspektiven für innovative Veränderungen obendrein. Was ihnen jedoch fehlt, ist die Expertise der Wissenseigner, deren spezifisches Know-how, ihre Beurteilungsgabe und Einschätzung neuer Möglichkeiten innerhalb bestehender Organisationssysteme oder deren strukturellen Rahmenbedingungen. Die Wissenseigner alleine bieten, ob ihrer konventionellen Denkmuster, wiederum selten außergewöhnliche Lösungsmuster für bestehende Probleme und müssen auf kreative Ideengeber, jene »Spinner« im Organisationssystem zurückgreifen. Ein intelligentes Netzwerk verbindet »Spinner« und Wissenseigner miteinander. Hierfür bedarf es der Netzwerker. Sie sind diejenigen, die wissen, wo man welchen Experten findet: die passenden »Spinner«, sprich Ideengeber und die Wissenseigner. Kruse nennt die Netzwerker »Broker«.

Wo jedoch die Vernetzungsdichte zwischen Ideengebern, Wissenseignern und Netzwerkern zu niedrig ist, entsteht nur selten eine innovative Kultur. Grund ist die fehlende Interaktionsmöglichkeit der Beteiligten. Das kann man dem Zufall überlassen oder es aktiv fördern. Innovationskraft entsteht, wo intelligente Netzwerke Wissen und Ideen zusammenführen. Jedes intelligente Netzwerk steigert die Entwicklungsfähigkeit der ihr zugehörigen Institution. Auch die einer Hochschule.

info-parkour ist ein Netzwerk aus kreativen, wissenden und engagierten Studenten, Alumni und Beteiligten der Hochschule. Hinzu kommen Experten der Praxis, deren Expertise in Interviews eingesammelt wird. Fortwährend entwickelt dieses »Gehirn« seinen Wissensfundus und stellt diesen allen anderen an der Hochschule zur Verfügung. Dadurch bietet man keine Lösungen, sondern ein intelligentes Netzwerk zwischen den Beteiligten der Hochschule, das seinen Teilnehmern helfen kann, Lösungen noch intelligenter zu formulieren oder Entscheidungen noch nachhaltiger  zu treffen. Nebenher lassen sich Bedürfnisse moderieren, transparent machen und eine neue Kultur des Austauschs entwickeln. Für jeden einzelnen erfahrbar, nicht nur im Intra- oder Internet! Wo Gespräch stattfindet, entsteht neue Kultur. Sprache ermöglicht, genau wie das Internet, die Weitergabe von Wissen. Netzwerke fördern den Austausch. Die Erhöhung der Netzwerkdichte erhöht den Austausch. Es heißt, am erfolgreichsten ist immer derjenige, der am besten informiert ist.

Gerade das anwendbare Wissen und die praktischen Erfahrungen der am Netzwerk beteiligten Studenten und Lehrenden bieten dem System Hochschule bei gezieltem Zugriff enorme Entwicklungspotenziale. Im Idealfall lassen sich Synergien herstellen oder kompetente Ansprechpartner finden. Desto mehr Interaktionspartner an der Vernetzung teilnehmen, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten bieten sich, das gemeinsam gesammelte Wissen und die Erfahrungen intelligent zu recyceln, es einzusetzen und die Entwicklungsfähigkeit der Hochschule und ihrer Einheiten gezielt voranzutreiben.

Ein intelligentes Netzwerk kann Altes neu ordnen oder innovative Entwicklungen in Gang setzen. Wo sich das Schicksal einer Organisation auf die Intelligenz nur weniger beschränkt, ist auch ihre Entwicklungsfähigkeit begrenzt.

[Februar 2009]