Statt der altüblichen Scheine gibt es nur noch - in modische Anglizismen verpackte - »Credit Points«. Gesammelt werden diese in Veranstaltungspaketen, die nun Module heißen. Nicht bloß eine »Umetikettierung«, sondern ein komplett neues Studiengerüst mit anschließender Akkreditierung war endlich das Ergebnis. Aber warum dann so zögerlich?
Nach etwas mehr als vier studierten Bachelor-Semestern setzten sich auch in Hamburg am 5. November 2007 die Gutachter zusammen. Es galt, den Studiengängen Information and Library Services sowie Medien und Information das Gütesiegel zu verleihen. Fünftsemester, Drittsemester und Absolventen wurden in »lockerer Atmosphäre« dem Kreuzfeuer der Hochschul- und Universitätsvertretern ausgesetzt. »Es wurden viele Fragen gestellt und diese auch ausführlich und ehrlich beantwortet«, so eine anwesende Studentin. Fast schien es, als würde der Bachelor-Student den ewig anhaftenden Touch des Schulunterrichts nicht los. Auch hier wurde sich nach jeder gestellten Frage artig zu Wort gemeldet. Alles lief nach Plan. Anschließend sprachen die zu Prüfern deklarierten Besucher »Empfehlungen« aus. Eine bessere Transparenz der Studiengänge und die richtige Platzierung des Praxissemesters waren Themen. Die Forderung nach Abschaffung der gefühlt hundert verschiedenen E-Learning-Plattformen sowie das verpflichtende Durchlaufen aller Prüfungsarten wurden laut. Nach 45 Minuten ununterbrochener Konversation zog eine anwesende Studentin ein angenehmes Resümee: »Die Antworten der Studenten wurden sehr ernst genommen«. So weit, so gut!
Doch da wohl ein jeder Bachelor-Betroffene gerne selbst dabei gewesen wäre, drängt sich ungefragt der Gedanke auf: Wie kam es zu dieser Zusammenkunft und wer trifft die »Auslese« der Anwesenden? Agenturen bewerben sich bei dem Akkreditierungsrat um die Aufnahme als Akkreditierungsagentur. Lehranstalten stellen Anträge auf Akkreditierung eines Studienganges bei einer solchen Agentur. Darauf folgt die Zusammenkunft einer Gruppe von Prüfern, bestehend aus Dozenten, Studenten und Vertretern aus der Berufspraxis. Ausgesandt von der Agentur, nehmen sie eine Begutachtung des Studiengangs unter Berücksichtigung der vom Akkreditierungsrat vorgegebenen Kriterien vor. Mögliche Ergebnisse sind völlige Ablehnung, Aussetzung des Verfahrens, Akkreditierung mit Auflagen oder finale Akkreditierung des Studienganges.
Während die Akkreditierung der beiden Informationsstudiengänge noch auf sich warten ließ, fragte sich der ahnungslose Stundent: Was können wir vom Bachelor erwarten?
Internationale Mobilität durch Fremdsprachenangebote und Auslandsaufenthalte sollten einen späteren Wechsel in das Ausland erleichtern. Auf dem Papier klingt das zunächst sehr vielversprechend. Doch lässt der schulische Charakter des Bachelors kaum Platz für alternative Stundenplangestaltung und zieht die Schlinge noch enger um den Hals des arbeitenden Studenten. Es entstand der Eindruck, dass weder teuer verdiente Auslandsstudien noch die eingeführten Studiengebühren so recht in das neue System passen wollten. Doch war das vielleicht nur die Meinung verbissener Diplom-Verehrer? Jene, die sich in ständiger Angst vor Entwertung ihres Abschlusses mit allen Mitteln gegen den Bachelor wehrten? Ist die Eliminierung der alten Systeme in der Praxis wirklich der Todesstoß eines jeden Berufseinsteigers?
In einer Erklärung führender deutscher Unternehmen zum Thema Umstellung wurde mit diesem Vorurteil aufgeräumt. Einer Erlösung aller Zweifler gleichkommend, wurde hier treffend festgestellt, dass »der Erfolg der neuen Studienstruktur nicht nur von der Qualität der Angebote, sondern auch von unseren Nachfrageentscheidungen abhängt.« Es folgten aufgereihte Versprechen aktiver Hilfestellung durch Firmen mit großen Namen. Herrlich! Ist es nicht genau das, was alle wollen? Spätestens jetzt sollten Diskussionen, Zweifel und Ängste sich auflösen und hoffentlich schon bald in einem Jobangebot enden. Vergeben an einen Bachelor-Absolventen, erhalten wegen seines weit gefächerten Studiums.
Den Realitätsabgleich mag nun jeder selbst vornehmen.
[November 2008]

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