Studenten aus höheren Semestern vermitteln ihren »kleineren« Kommilitonen komplizierte Inhalte. Als Tutoren haben sie Lösungskompetenzen, die ein Professor nicht immer bieten kann. Sie kennen die Anforderungen des Dozenten aus eigener Erfahrung und haben Prüfungen bereits erfolgreich abgeschlossen.
Für das Jahr 2008 steht der Fakultät Design, Medien und Information (DMI) ein Budget von 1,4 Millionen Euro zur Verfügung. Eingesetzt werden soll es zur Optimierung der Lehrbedingungen, also zur Finanzierung von Lehraufträgen, Laborausstattung, Exkursionen und Tutorien. Dass über 70 Prozent dieses Etats dem »Topf Studiengebühren« entspringen, sollte Studenten hellhörig stimmen. Denn: Auch Tutorien finanzieren sich aus den Gebühren, die Hochschüler aus eigener Tasche zahlen müssen. Auf kaum besuchte Angebote sollte hingewiesen werden, da dort Gelder eingesetzt werden, die an einer anderen Stelle fehlen.
In der Regel jedoch lohnt sich das Gastspiel bei einem Tutorium. Es bietet die Vertiefung des Lernstoffs aus Seminaren. Und dies von einem Lehrkörper, der dieselbe Sprache wie seine »Schüler« spricht. Der Tutor gibt Hinweise auf Vorlieben des Dozenten. Vor allem im Hinblick auf Stresspickel-verursachende Prüfungen besonders wertvoll.
Studenten haben auch die Möglichkeit, fehlende Angebote einzufordern. Eine ideale Plattform, um Wünsche zu äußern, bietet die AG zur Verbesserung der Lehre. Tutorien stellen einen Mittelrückfluss der Studiengebühren an die Studenten dar. »Studierende haben dann hochschul- und studienrelevante Jobs und müssen beispielsweise nicht in Kneipen kellnern«, sagt die Dekanin der Fakultät DMI, Dorothea Wenzel. Ein nicht unwesentlicher Vorzug eines Tutoriums ist also Geld. Das erhält nämlich derjenige, der ein Tutorium leitet. Die Bezahlung ist lukrativ: Der Stundenlohn eines Tutors beträgt 21 Euro. Für die Vergabe einer Tutorienstelle ist meist der lehrende Dozent des jeweiligen Fachs verantwortlich. Maßgebend für die Entscheidung, einen Studenten als Tutor zu engagieren, ist dessen Note. Eine weitere Schlüsselqualifikation zur Leitung eines Tutoriums ist - neben der fachlichen Kompetenz - die didaktische Fähigkeit. Also die Fähigkeit, zu lehren. Zur Vorbereitung eines Tutoriums bietet die HAW ein Tutoren-Training an. Dr. Albrecht Hatzius von der Arbeitsstelle Studium und Didaktik zeigt angehenden Tutoren, wie sie ihre Aufgabe erfolgreich meistern können. Dabei reichen die behandelten Themen vom »Verständlichen Erklären« über verschiedene »Lehrmethodiken« bis hin zu »Sich Feedback holen«. Ein zweitägiger Workshop wappnet die jungen Lehrbeauftragten für alle Schwierigkeiten, die so ein Tutorium mit sich bringen kann. Neben dem finanziellen Aspekt bietet die Leitung eines Tutoriums also noch einen zweiten Trumpf: die persönliche Weiterentwicklung.
Bei all den Lobgesängen zur tutoriellen Lernbegleitung an der Fakultät DMI stellt sich die Frage, ob die Existenz des klassischen Dozenten überhaupt noch notwendig ist. Der Tutor als Ersatz für den Professor? Dekanin Wenzel meint: »Nicht jeder Dozent ist ein begnadeter Wissensvermittler - aber das wäre der falsche Ansatz.«
[April 2008]

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