»Selbstverständlich kommt ab und an Neid auf, wenn man wieder einmal bis spät in die Nacht an einer Ausarbeitung sitzt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass dies jenen Kommilitonen, die eben nicht arbeiten müssen, erspart bleibt bzw. diese dafür an anderer Stelle genügend Freizeit wahrnehmen können. Dann tröstet man sich sicher das eine ums andere Mal mit dem Stolz, den Finanzierungskampf zu einem nicht geringen Teil alleine zu schlagen. Ich kann mich aber nicht entsinnen, mich je veranlasst gefühlt zu haben, derlei Gefühlsregungen gegenüber Kommilitonen, die nicht arbeiten (müssen) zu äußern. Von Kommilitonen, die nicht arbeiten (müssen), habe ich bislang immer Verständnis und Rücksichtnahme und zuweilen auch Respekt erfahren.«
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»Diejenigen, die finanziell auf ihren Job angewiesen sind, sehen bei den anderen einerseits die Chancenungleichheit zu denen, die sich besonders gut auf das Studium konzentrieren können, oder die Unreife derer, die trotz finanzieller Sicherheit ein Lotterleben ohne jeglichen Anspruch an sich selbst führen. Natürlich ist da auch ein gewisser Stolz auf die eigenständige Lebensfinanzierung, mit dem sicherlich mancher auf die ›anderen‹ hinabsieht. Mit dieser Art von verallgemeinernden Verurteilungen könnte ich den Spieß aber auch umdrehen. Beispiel: Wie oft muss ich erleben, dass ein Projekt mit ›Gruppenarbeitszwang‹ mit (für mich) höchstens befriedigenden Ergebnissen abgeschlossen werden kann, weil einige der Gruppenmitglieder ›da nicht können, da muss ich arbeiten‹. Der Feierabend oder das Wochenende will von diesen Kandidaten dann aber auch nicht geopfert werden, denn neben Studium und Arbeit wollen sie schließlich noch ein Privatleben haben. Gegen Letzteres ist zwar nichts einzuwenden, aber dann sollte doch die Konsequenz sein, dass das Studientempo gedrosselt werden muss, ergo weniger Kurse pro Semester belegt werden. Denn auch wenn man selbst mit der eingeschränkten Leistungsfähigkeit im Studium leben kann, kann es nicht sein, dass die Leistungsfähigkeit von Kommilitonen bei Gruppenarbeiten (die in meinem Studiengang nun mal sehr häufig stattfinden) darunter leiden muss. Meine Moral: Verurteilungen sollten auf beiden Seiten unterlassen werden, die Gedanken sollte lieber jeder auf Ablauf und Inhalte des eigenen Studiums verwenden.«
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»Unausgewogen. Allerdings ist dieses Verhältnis sehr vom Studienfach abhängig, wie mir scheint. So ist es in manchen Studiengängen selbstverständlich, einen Nebenjob zu haben und auch für die Ausbildung sinnvoll, in anderen die Ausnahme.«
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»Diejeniegen, die arbeiten müssen, haben zwangsläufig weniger Zeit, werden aber besser geschult in punkto Disziplin und Zeiteinteilung. Ich habe den Eindruck, jemand der arbeiten muss, ist zwangsläufig reifer und ›erwachsener‹.«
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»Angespannt. Ich glaube, die Studenten, die arbeiten, sind oft neidisch auf die scheinbar bessere Ausgangslage derjenigen, die nicht arbeiten müssen und mehr Freizeit genießen. Diese gefühlte Ungerechtigkeit kann dazu führen, dass sich die benachteiligten Gleichgesinnten zusammenschließen und die nicht arbeitenden Studenten ausgegrenzt werden. Ich denke auch, dass es da einfach Persönlichkeitsunterschiede gibt und arbeitende Studenten den Privilegierten einen Mangel an Eigenständigkeit vorwerfen, eine Eigenschaft, die geschätzt wird und verbindet.«
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»Jene, die arbeiten (müssen) wirken oft reifer und selbstständiger. Sie tendieren teilweise dazu, nichtarbeitende Studenten etwas kritischer zu betrachten oder gar deren oft nicht besseren Leistungen weniger wertzuschätzen. Dagegen habe ich einige Studenten erlebt, die, obwohl sie nicht mussten, zu arbeiten begannen, da sie merkten, dass ihnen zunehmend entscheidende praktische Erfahrungen fehlten. Arbeitende Studenten waren ihnen also ein Vorbild.«
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»Ich habe die, die nicht arbeiten gehen und trotzdem lange studieren, zum Teil verachtet und zum Teil beneidet. Sie konnten ihre Kraft und Nerven schonen und ganz in das Studium investieren. Mit Studenten, die viel Freizeit und trotzdem genug Geld hatten, konnte ich kaum Freundschaften schließen, da ich nicht die Mittel hatte, um mit ihnen ausgehen zu können. Das waren überspitzt ausgedrückt zwei Gruppen: die Entspannten, die sich Gedanken über ihre Freizeit machten und die Hektischen, die die Seminare wegen eines Jobs früher verlassen mussten. Ich konnte und habe nur mit denen, die auch sparsam lebten, Sachen unternommen. Das waren dann Dinge, die nichts oder wenig kosteten. Wir trafen uns eine Zeitlang zuhause, jeder brachte was zu Essen mit oder wir gingen in einen Park oder ins Museum (kostenlos für uns). Gab es Kinokarten umsonst, habe ich mich angestellt. Und ins Café konnte ich nur gehen, wenn ich eingeladen wurde. Also bin ich eine Zeitlang auch mit den größten Idioten ausgegangen, bis ich das Preis-Leistungsverhältnis einfach nicht mehr gut fand.«
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»Ich habe während meines bisherigen Studiums selten mit anderen Studierenden darüber gesprochen, wer sich wie finanziert. Aber die jeweiligen Unterschiede sind mindestens latent im Hintergrund. Spätestens bei engerer Zusammenarbeit (Lerntreffen, Projekte) treten Unterschiede zutage – und dann können sich die gesellschaftlichen Unterschiede auch mal klar zeigen. Die Frage ist eher, wie man damit und untereinander damit umgeht.«
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