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info-parkour.de | Magazin zur Campus-Kulturgenese | gefördert durch die Fakultät für Design, Medien und Information und die HAW Hamburg

Studentenkonto

Was bedeutet für Dich finanzielle Unabhängigkeit und wie wichtig ist sie Dir?

»Sie bedeutet für mich Eigenständigkeit, Entscheidungsfreiheit und in gewissen Bereichen auch ›erwachsen sein‹. Meine Eltern konnten und wollten mich nicht unterstützen, da sie schon immer der Meinung waren, jeder solle für seine Entscheidungen und den eingeschlagenen Lebensweg in jeglicher Hinsicht selbst geradestehen und damit auch finanziell dafür aufkommen. Ich habe mich daran gewöhnt und fühle mich sogar unwohl, von anderen Privatpersonen Unterstützung zu erhalten.«


»[…] heißt für mich primär, von meinen Eltern finanziell unabhängig zu sein. Es ist schön, wenn das klappt und ich versuche das zu schaffen, jedoch nicht um jeden Preis.«


»[…] nicht auf Geld von anderen angewiesen zu sein – seien das nun Steuergelder oder Unterstützung vom Partner, von Verwandten oder Freunden. Finanzielle Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig. Schlimm: Leute, die sogar nach dem Studium Finanzspritzen ihrer Eltern brauchen, obwohl sie schon alt genug sind, um selbst erwachsene Kinder haben zu können.«

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»Wer würde nicht gerne ›finanziell unabhängig‹ sein, und wer würde das nicht entsprechend wichtig einschätzen? Die Frage ist doch vielmehr eine gesellschaftliche: Wie schaffen wir es, den durch Arbeit geschaffenen gesellschaftlichen Reichtum und die natürlichen Ressourcen gerecht zu verteilen und beispielsweise durch Bildung zu vermehren? Und: Wie schaffen wir es also vom Finanziellen an sich unabhängig zu sein? In einem französischen Flugblatt stand einmal: ›In einer Gesellschaft, deren Grundlage Geld ist, wird es nie genug davon geben.‹«

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»Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet für mich, wenn ich meine Kosten selber trage – ohne Eltern oder Staat. Während des Studiums ist mir diese finanzielle Unabhängigkeit nicht so wichtig, diese aber erfolgreich und langfristig durch das Studium zu erreichen, sehr wohl.«

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»[…] die Gewissheit, mein Leben finanzieren zu können, ohne auf irgendeinen Geldfluss von ›außerhalb‹ angewiesen zu sein. Also ein sehr unwahrscheinlicher Zustand, denn man ist doch immer auf das Geld von anderen angewiesen, ob es nun der Staat, die Eltern oder der Arbeitgeber beziehungsweise die Kunden sind. Wichtig ist mir in erster Linie, später kein ALG vom Staat beziehen zu müssen. Auch auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern will ich nur während meines Studiums angewiesen sein. Die von mir bevorzugte finanzielle Abhängigkeit ist also die von meinem Arbeitgeber.«

Wo liegt der Unterschied zwischen Geld von den Eltern und Geld vom Staat?

»Ich finde, dass man als Erwachsener auch während einer Ausbildung oder eines Studiums wenigstens weitestgehend selbst für sich sorgen können muss. Dann fühlt man sich unabhängig. Ich kann mir vorstellen, dass es einen auch unter Druck setzen kann, wenn man Geld von den Eltern bekommt. Was erwarten sie von mir? Vielleicht studieren einige dann nur für die Eltern ein Fach, das sie gar nicht mögen.«

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»Ich persönlich sehe es so, dass finanzielle Unterstützung von den Eltern (abhängig von deren eigener finanzieller Situation) keine Selbstverständlichkeit ist und bin daher umso dankbarer dafür, mit welcher Selbstverständlichkeit sie für meine Ausbildung aufkommen. Ich glaube nicht, dass ich finanzielle Unterstützung vom Staat in gleicher Weise wertschätzen könnte. Glücklicherweise ist also ehrliche Dankbarkeit, Verbundenheit und auch ein positives Gefühl der Verpflichtung die Folge meiner elterlichen Finanzierung.«


»Die ›Schuld‹ gegenüber dem Staat belastet keinerlei zwischenmenschliche Beziehungen. Außerdem hat sich bei mir mittlerweile ein Verantwortungsgefühl meinen pensionierten Eltern gegenüber eingestellt, das unter anderem auch bedeutet, sie gegebenenfalls zu unterstützen (mit Rat und Tat, aber auch ›passiv‹ durch Eigenständigkeit) oder sie zumindest nicht zu belasten.«


»Geld von den Eltern kommt von Herzen. Die Eltern unterstützen mich, weil sie wollen, dass es mir später besser geht als ihnen. Bildung ist der Schlüssel. Geld vom Staat bedeutet Druck. Zurückzahlen, Papierkrieg, Kampf, immer Druck im Nacken. Geld vom Staat macht keinen Spaß!«


»Beides hat, je nach Auffassung, seine politischen und individuellen Vor- und Nachteile – an der Tatsache, daß man für Bildung bezahlen muss, ändert es nichts.«


»Es hängt davon ab, wie mit den Geldquellen umgegangen wird. Wenn das Geld von den Eltern wie ein Darlehen vom Staat mit ähnlichen Zinsverhältnissen zurückgezahlt wird, ist eine Gleichsetzung durchaus sinnvoll. Wenn nicht, gibt es einen gefühlten Unterschied ergänzt durch eine moralische Komponente: Man bekommt Geld von Personen, die einem nahestehen, Geld, auf das andere Familienmitglieder verzichten müssen. Das kann natürlich belasten. Gegenüber dem Staat entwickelt man sicherlich nicht so schnell Gewissensbisse, da man ihm im späteren Berufsleben durch Steuern sowieso einiges an Geld einbringt.«


»Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Geld von meinen Eltern und Großeltern mehr wertschätze als das Geld vom Staat. Bedingt durch meine soziale Herkunft sehe ich es als Mindestmaß an Chancengleichheit im Bildungsbereich an, eine Studienfinanzierung wie das BAföG anzubieten. Von daher hatte ich nie ein Problem damit, mir auch zu nehmen, was mir von Rechtswegen zusteht. Dass ein gewisser Teil davon nach dem Studium zurückgezahlt werden muss, ist völlig in Ordnung, zumal sich Zeitpunkt und Umfang der Rückzahlungen am späteren Gehalt orientieren. Und schließlich hat der Staat indirekt ja auch etwas davon, wenn ich im späteren Berufsleben ein gutes Gehalt und damit gute Steuern erwirtschafte.

Meinen Eltern und Großeltern hingegen bin ich sehr dankbar für ihre finanzielle Unterstützung, die im Umfang des ihnen Mögliche auch das ein oder andere Mal mehr oder weniger deutlich über das grundsätzlich Geleistete hinausgeht. Eine Abhängigkeit, ein schlechtes Gewissen oder das Gefühl, meine Familie müsste zu meinen Gunsten Verzicht üben, kenne ich glücklicherweise nicht. Ich kann mich darauf verlassen, dass meine Familie nur das gibt, was sie kann und bin froh, mit welcher Selbstverständlichkeit sie dies tut. Konflikte wären sicherlich vorprogrammiert, wenn dies nicht der Fall ist. Meinen jüngeren Schwestern gegenüber empfinde ich es als Selbstverständlichkeit, sie in ihren späteren Ausbildungswünschen zu unterstützen, wenn beispielsweise meine Großeltern dies nicht mehr können (und auch sonst natürlich). Meine Dankbarkeit für die familiäre Unterstützung entlädt sich hier in einer Art Generationenvertrag.«

Wie denkst Du über Studenten, die nicht arbeiten müssen, aber arbeiten gehen?

»Lobens- und bewundernswert. Wer sich durch zusätzliche Arbeit fachbezogen weiterqualifiziert, dabei das Studium nicht vernachlässigt und sich so einen höheren Lebensstandard während und nach dem Studium (durch gegebenenfalls höheres Einstiegsgehalt) sichert, tut meiner Ansicht nach genau das Richtige. Ich möchte auch während meines Studiums schon 100 Prozent Leistung bringen, sozusagen als Training für das Berufsleben.«


»Finde ich gut. Allerdings hatte ich eher den Eindruck, dass die, die sowieso von irgendwoher Geld bekommen und also nicht arbeiten müssen, nicht besonders intensiv nach Arbeit suchen, wählerisch sind und schnell aufgeben, wenn die Arbeitssuche nicht sofort erfolgreich ist.«


»Das finde ich schlau, da man so den ganz normalen Arbeitsalltag in einem Unternehmen mitbekommen kann und sich mit anderen Situationen und Menschen auseinandersetzen muss als in der Universität/Bibliothek. Während man fürs Studieren bezahlen muss, bekommt man beim Arbeiten Geld und das gibt einem (auf eine andere Art als eine gute Note in der Uni) auch Bestätigung.«

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»Gute Sache, so lassen sich Kontakte fürs spätere Arbeitsleben knüpfen und ein bisschen mehr Geld schadet ja nie.«

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»Das finde ich respektabel, weil es zeigt, dass diejenigen Studenten bestrebt sind, ihren Eltern nicht auf der Tasche zu liegen und selbst etwas zu ihren Kosten beitragen wollen. Außerdem nutzen sie die Möglichkeit, bereits während des Studiums Berufserfahrung zu sammeln und das zeugt von Zielstrebigkeit und bewusstem Umgang mit den vorhandenen Optionen, was mir sympathisch ist.«

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»Eine gute Entscheidung, ist doch praktische Arbeitserfahrung eine sehr wichtige Qualifikation, die nicht im Studium erlangt werden kann. Auch die eigene Orientierung auf dem Arbeitsmarkt und hinsichtlich der vielen Spezialisierungsmöglichkeiten im eigenen Fach kann kaum anderweitig stattfinden. Während des Studiums hat man die Möglichkeit, verschiedenste Arbeitsumfelder kennen zu lernen und hat so eine gewisse Expertise, wenn es später um die Wahl des ersten langfristigen Arbeitgebers geht.«

Wie denkst Du über Studenten, die nicht arbeiten müssen und es auch nicht tun?

»Dabei muss unterschieden werden, ob diese Studenten dann mehr Zeit in ihr Studium investieren (zum Beispiel durch Anstreben eines Doppeldiploms oder den Besuch weiterer Schulen wie beispielsweise einer Journalistenschule) oder lediglich faul sind. Das kann natürlich jeder für sich entscheiden. Mehr Respekt habe ich aber vor jenen, die sich in ihrer privilegierten Stellung voll auf das Studium konzentrieren oder sich anderweitig (zum Beispiel ehrenamtlich) engagieren.«

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»Glück gehabt. Sie können und sollten auch schneller studieren und ihren Eltern nicht länger als nötig auf der Tasche liegen. So stressig Nebenjobs sein können, ohne sie fehlt ihnen dann doch eine wichtige Erfahrung. Andererseits kann man sich sicher voll auf sein Studium konzentrieren, ohne Geldsorgen oder Zeitmangel. Ich habe allerdings auch Leute erlebt, die nicht oder wenig während des Studiums gejobbt haben und sich dann nach dem Studium total schwer getan haben, einen Job zu finden. Sie blieben dann weiterhin von den Eltern abhängig oder von Hartz IV. Das schlug bei einigen auf die Psyche.«


»Das finde ich nicht schlimm. Wenn beispielsweise jemand immer viel lernen muss und sein Studium deshalb in einer bestimmten Anzahl von Semestern durchziehen will. Oder wenn es persönliche/gesundheitliche Gründe gibt, hat jemand viel Glück, wenn er nicht auch noch arbeiten muss.«


»Selbst Schuld. Sie werden es schwer haben, einen Job zu finden, weil sie keine Berufserfahrung haben. Allerdings können die Studis sich gut um das Studium kümmern. Ich beneide sie.«


»Das finde ich weniger respektabel, aber auch nicht verwerflich, so lange die Eltern durch die Kosten für ihr Kind nicht am Hungertuch nagen müssen. Die Studenten, die ihre freie Zeit in die Arbeit für ihr Studium stecken, tun darüber hinaus ebenfalls etwas Sinnvolles und nutzen die ihnen gegebenen Möglichkeiten. Wer natürlich den halben Tag im Bett liegt und sich von Richtershow zu Richtershow hangelt, ist mir als Mensch wahrscheinlich unsympathisch, aber große Probleme habe ich auch damit nicht.«


»Ich sehe keinen Grund, diese Vorgehensweise grundsätzlich zu verurteilen oder als die schlechtere zu interpretieren. Natürlich gibt es diejenigen, die frisch vom Gymnasium kommen und dann im Studium keinen Finger krumm machen. Ähnliche Exemplare gibt es aber auch aus dem Lager der BAföG-Empfänger. Während des Studiums kann man sich auch auf andere Dinge konzentrieren als die Entwicklung einer hochglänzenden Arbeitsmarktqualifizierung. Persönlichkeitsentwicklung, ehrenamtliches Engagement, vertiefte Auseinandersetzung mit den Studieninhalten, Reisen, Entdecken verschiedener anderer Interessengebiete – das alles sind, meiner Meinung nach, völlig unverwerfliche Alternativen zum Arbeiten-gehen.«

Wie würdest Du das Verhältnis zwischen Studenten, die arbeiten müssen, und solchen, die es nicht müssen, beschreiben?

»Selbstverständlich kommt ab und an Neid auf, wenn man wieder einmal bis spät in die Nacht an einer Ausarbeitung sitzt und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass dies jenen Kommilitonen, die eben nicht arbeiten müssen, erspart bleibt bzw. diese dafür an anderer Stelle genügend Freizeit wahrnehmen können. Dann tröstet man sich sicher das eine ums andere Mal mit dem Stolz, den Finanzierungskampf zu einem nicht geringen Teil alleine zu schlagen. Ich kann mich aber nicht entsinnen, mich je veranlasst gefühlt zu haben, derlei Gefühlsregungen gegenüber Kommilitonen, die nicht arbeiten (müssen) zu äußern. Von Kommilitonen, die nicht arbeiten (müssen), habe ich bislang immer Verständnis und Rücksichtnahme und zuweilen auch Respekt erfahren.«


»Diejenigen, die finanziell auf ihren Job angewiesen sind, sehen bei den anderen einerseits die Chancenungleichheit zu denen, die sich besonders gut auf das Studium konzentrieren können, oder die Unreife derer, die trotz finanzieller Sicherheit ein Lotterleben ohne jeglichen Anspruch an sich selbst führen. Natürlich ist da auch ein gewisser Stolz auf die eigenständige Lebensfinanzierung, mit dem sicherlich mancher auf die ›anderen‹ hinabsieht. Mit dieser Art von verallgemeinernden Verurteilungen könnte ich den Spieß aber auch umdrehen. Beispiel: Wie oft muss ich erleben, dass ein Projekt mit ›Gruppenarbeitszwang‹ mit (für mich) höchstens befriedigenden Ergebnissen abgeschlossen werden kann, weil einige der Gruppenmitglieder ›da nicht können, da muss ich arbeiten‹. Der Feierabend oder das Wochenende will von diesen Kandidaten dann aber auch nicht geopfert werden, denn neben Studium und Arbeit wollen sie schließlich noch ein Privatleben haben. Gegen Letzteres ist zwar nichts einzuwenden, aber dann sollte doch die Konsequenz sein, dass das Studientempo gedrosselt werden muss, ergo weniger Kurse pro Semester belegt werden. Denn auch wenn man selbst mit der eingeschränkten Leistungsfähigkeit im Studium leben kann, kann es nicht sein, dass die Leistungsfähigkeit von Kommilitonen bei Gruppenarbeiten (die in meinem Studiengang nun mal sehr häufig stattfinden) darunter leiden muss. Meine Moral: Verurteilungen sollten auf beiden Seiten unterlassen werden, die Gedanken sollte lieber jeder auf Ablauf und Inhalte des eigenen Studiums verwenden.«


»Unausgewogen. Allerdings ist dieses Verhältnis sehr vom Studienfach abhängig, wie mir scheint. So ist es in manchen Studiengängen selbstverständlich, einen Nebenjob zu haben und auch für die Ausbildung sinnvoll, in anderen die Ausnahme.«

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»Diejeniegen, die arbeiten müssen, haben zwangsläufig weniger Zeit, werden aber besser geschult in punkto Disziplin und Zeiteinteilung. Ich habe den Eindruck, jemand der arbeiten muss, ist zwangsläufig reifer und ›erwachsener‹.«


»Angespannt. Ich glaube, die Studenten, die arbeiten, sind oft neidisch auf die scheinbar bessere Ausgangslage derjenigen, die nicht arbeiten müssen und mehr Freizeit genießen. Diese gefühlte Ungerechtigkeit kann dazu führen, dass sich die benachteiligten Gleichgesinnten zusammenschließen und die nicht arbeitenden Studenten ausgegrenzt werden. Ich denke auch, dass es da einfach Persönlichkeitsunterschiede gibt und arbeitende Studenten den Privilegierten einen Mangel an Eigenständigkeit vorwerfen, eine Eigenschaft, die geschätzt wird und verbindet.«


»Jene, die arbeiten (müssen) wirken oft reifer und selbstständiger. Sie tendieren teilweise dazu, nichtarbeitende Studenten etwas kritischer zu betrachten oder gar deren oft nicht besseren Leistungen weniger wertzuschätzen. Dagegen habe ich einige Studenten erlebt, die, obwohl sie nicht mussten, zu arbeiten begannen, da sie merkten, dass ihnen zunehmend entscheidende praktische Erfahrungen fehlten. Arbeitende Studenten waren ihnen also ein Vorbild.«

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»Ich habe die, die nicht arbeiten gehen und trotzdem lange studieren, zum Teil verachtet und zum Teil beneidet. Sie konnten ihre Kraft und Nerven schonen und ganz in das Studium investieren. Mit Studenten, die viel Freizeit und trotzdem genug Geld hatten, konnte ich kaum Freundschaften schließen, da ich nicht die Mittel hatte, um mit ihnen ausgehen zu können. Das waren überspitzt ausgedrückt zwei Gruppen: die Entspannten, die sich Gedanken über ihre Freizeit machten und die Hektischen, die die Seminare wegen eines Jobs früher verlassen mussten. Ich konnte und habe nur mit denen, die auch sparsam lebten, Sachen unternommen. Das waren dann Dinge, die nichts oder wenig kosteten. Wir trafen uns eine Zeitlang zuhause, jeder brachte was zu Essen mit oder wir gingen in einen Park oder ins Museum (kostenlos für uns). Gab es Kinokarten umsonst, habe ich mich angestellt. Und ins Café konnte ich nur gehen, wenn ich eingeladen wurde. Also bin ich eine Zeitlang auch mit den größten Idioten ausgegangen, bis ich das Preis-Leistungsverhältnis einfach nicht mehr gut fand.«

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»Ich habe während meines bisherigen Studiums selten mit anderen Studierenden darüber gesprochen, wer sich wie finanziert. Aber die jeweiligen Unterschiede sind mindestens latent im Hintergrund. Spätestens bei engerer Zusammenarbeit (Lerntreffen, Projekte) treten Unterschiede zutage – und dann können sich die gesellschaftlichen Unterschiede auch mal klar zeigen. Die Frage ist eher, wie man damit und untereinander damit umgeht.«

Wieso nimmst Du die Kosten für Dein Studium in Kauf?

»Niemand, der mittel- oder langfristig ein Mehr an Lebensqualität durch die Ressourcen Bildung, Wissen und Fertigkeiten erwartet, wird sich diese Investition abschlagen – so er/sie es überhaupt kann. Ich weiß, dass ein akademischer Abschluss nicht mehr der Garant für eine lebenslange Beschäftigung ist – und trotzdem möchte ich auf Wissen nicht verzichten, es hat in jeder gesellschaftlichen Situation einen Wert.«

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»Ich wollte mich nicht mit weniger, zum Beispiel Zeichnen als Hobby, zufrieden geben. Ich wollte das für mich richtige Umfeld haben – Menschen, die ihre gestalterischen Fähigkeiten verbessern wollen und Menschen, die ihnen dabei helfen. Ich war regelrecht ausgehungert nach Bildung und wollte das Maximum aus mir herausholen.«


»Ich nehme die Kosten für ein Studium in Kauf, weil es mir möglich ist, diese Kosten ohne große Einbußen bei einem meiner Familienmitglieder aufzubringen und ich unbedingt studieren wollte. Dass ich für meine Bildung zahlen muss, missfällt mir vielleicht und ich ergreife auch die Chancen, dagegen anzugehen (etwa boykottieren), bislang waren diese allerdings nicht erfolgreich.«


»Ich studiere und lerne gerne und möchte meine jungen Jahre dazu nutzen, möglichst viel Wissen und Erfahrungen zu sammeln. Außerdem habe ich mit meinem Studium langfristig die besseren Berufschancen und mache mir über die Rückzahlung der BAföG-Schulden keine Sorgen. Lernen ist für mich ein Ideal, eine Lebensaufgabe. Ich möchte mit 50 nicht sagen müssen: ›Hätte ich damals doch nur (weiter-)studiert …‹«


»Ein Fitnessstudio kostet Geld, wenn man seinen Körper dort trainieren will, ein Personaltrainer kostet noch mehr Geld. Dass ein Studium Geld kostet, weil man dafür auch etwas (Erfahrung, Bildung, Abschluss …) bekommt, finde ich ›in-Kauf-nehmbar‹ – und ich wollte/will ja studieren. Selbstverständlich gäbe es zu diesem Thema bezüglich Kosten für ein Studium und Gerechtigkeit/Chancengleichheit in der Gesellschaft noch mehr zu sagen.«


»Weil mein Studium mir Entwicklungsmöglichkeiten und Zugang zu verschiedensten Wissensquellen bietet und meine ohnehin schon vorhandene Veranlagung der kritischen Hinterfragung von Informationen fördert. Das erlebe ich schon als eine Art ›studierte Geisteshaltung‹, die ich bei so manchen Gesprächspartnern vermisse.«


»Weil es mein Traum war, studieren zu gehen. Es ist eine harte Zeit, aber ein Ende ist abzusehen. Ich studiere, weil man ohne Abschluss nichts ist und ich nehme die Kosten in Kauf in der Hoffnung, später gutes Geld zu verdienen.«

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»Weil Studieren und Lernen das ist, was ich wirklich möchte. Weil ich Kenntnisse und Fähigkeiten erwerbe, die mir hinterher niemand mehr wegnehmen kann. Weil ich mit den mir beigebrachten Inhalten mein persönliches Profil entwickeln kann. Weil ich nie aufhören möchte, neugierig und interessiert zu sein und mir Unbekanntes zu erarbeiten – und weil gerade dies die Essenz eines jeden Studiums ist. Alles zusammen empfinde ich als beinahe unbezahlbar, weswegen die tatsächlichen Kosten in jedem Fall in Kauf zu nehmen sind.«

Wärst Du bereit, das gesamte Geld, mit dem Du unterstützt wirst, nach dem Studium zurückzuzahlen?

»Ja. Wer tatsächlich meint, in Bildung zu investieren würde sich nicht lohnen oder auszahlen, der hat meiner Ansicht nach die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Gerade in Deutschland wird Wissen und Information in Zukunft das wichtigste Gut sein, das wir produzieren. Eine bessere Investition in die eigene Zukunft gibt es nicht.«


»Nein. Das Studium hat mich auch so über 16.000 Euro gekostet. Am Ende hatte ich das Diplom, wohnte immer noch in einem WG-Zimmer mit altem Sperrmüllkram, aber besaß immerhin einen fast neuen Computer und stand auf eigenen Füßen. Zwar lebte ich nicht mal auf Hartz-IV-Niveau, aber ohne Geld vom Staat. Jemand, der nicht studiert, sondern eine Ausbildung macht und danach arbeitet, hat früher einen besseren Lebensstandard. Das rechtfertigt den höheren Verdienst von studierten Leuten.«


»Ich wäre definitiv dazu bereit. Dennoch bin ich froh darüber, dass meine Eltern, die meine einzige Quelle finanzieller Unterstützung sind, das nicht wollen. Dieser Umstand hat natürlich auch in mir das Bestreben ausgelöst, die gleiche Unterstützung meinem Kind geben zu können, sollte ich einmal eines haben.«

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»Wenn es einen angemessenen Finanzierungsplan gäbe, keine Studiengebühren in jetziger Form und ich genug verdienen würde, würde ich das Studium komplett bezahlen. Zwar denke ich, dass Bildung frei sein sollte, aber ich lebe immerhin auf Staatskosten, nutze Mittel der Uni, Professoren kümmern sich um mich … Das alles kostet Unmengen an Geld und ich bin bereit, meine eigenen Kosten zu tragen.«


»Sofern es finanziell machbar ist, weil ich nach meinem Studium tatsächlich gut bis sehr gut verdiene, würde ich auch das gesamte Geld, mit dem ich während des Studiums unterstützt worden bin, zurückzahlen. Trotzdem bereitet der Berg an Rückzahlungen, die mit dem tatsächlichen Berufseinstieg einhergehen, von Zeit zu Zeit Bauchschmerzen: Werde ich überhaupt einen Unterschied zu meiner jetzigen finanziellen Situation merken? Wie viele Jahre machen sich die Rückzahlungen wohl bemerkbar?«

Welche Möglichkeiten zur Studienfinanzierung würdest Du Dir wünschen?

»Früher habe ich mir Unterstützung seitens meiner Eltern gewünscht. Heute bin ich froh, durch die harte Schule der ›erzwungenen Selbstständigkeit‹ gegangen zu sein und seit ca. zehn Jahren unabhängig zu leben. Mittelfristig kann ich mir vorstellen, für ein Unternehmen zu arbeiten, das mir später eine Promotion finanziert.«

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»Ich würde mir insgesamt eine Diskussion über den Wert von Bildung und Wissen in der Gesellschaft an sich wünschen, dann über die Möglichkeiten, Wissen zu verteilen und zu vermehren. Einen Masterplan dazu kenne ich bisher nicht.«


»Dass die Studenten, die BAföG erhalten, in ihren Verdienstmöglichkeiten durch selbstständige Arbeit nicht so streng begrenzt sind.«


»Vor allem, dass die bestehenden Möglichkeiten einfacher genutzt werden können, das heißt es leichter ist, an Stipendien zu kommen, man mehr Zeit zum Arbeiten hat usw.«


»Zu jedem Studienplatz gibt es einen für die Ausbildung geeigneten Studentenjob inklusive.«


»In Bezug auf die Stundung der Studiengebühren wünsche ich mir eine Rückzahlungsmöglichkeit auf Raten – ohne Zinsen! Zum Zeitpunkt der Rückzahlungspflicht (Jahreseinkommen über 30.000 Euro) muss nämlich bisher auf einen Schlag oder mit Zinsen zurückgezahlt werden.«


»Eine, die keine Haken hat!«

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»Stipendien, die weniger an politische Ansichten und Engagement neben dem Studium (welcher arbeitende Student kann auch das noch leisten?) als an die persönliche Situation und die Leistungen gebunden sind. Zudem eine gerechtere und nachvollziehbarere Übergangsregelung, was die BAföG-Förderungswürdigkeit von Diplom-Studenten, die im Anschluss den Master machen möchten, angeht. Letzteres – das gestehe ich ein – ist jedoch persönliches Empfinden.«

Welchen Einfluss hat finanzielle (Un-)Sicherheit auf die Persönlichkeitsentwicklung?

»Die Studenten, die die staatliche Finanzspritze unbedingt brauchen, dürfen keine Fristen verpassen und müssen stets schauen, alle Unterlagen beisammen zu haben, weswegen sie sich gut organisieren müssen und damit Verantwortungsbewusstsein für sich selbst entwickeln. Wer gelernt hat, sich durchzubeißen, tritt auch bei Vorstellungsgesprächen für Nebenjobs anders auf als jemand, der im Zweifel auch noch ein paar Monate ohne eine Tätigkeit überleben kann. Der Druck ist ein ganz anderer. Wenn ein Student weiß, dass seine Eltern das nötige Geld haben, wenn es mal einen Engpass gibt, schränkt das die Entwicklung von Bissigkeit ein, auch wenn die elterliche Finanzierung gar nicht in Anspruch genommen wird. Nur bei wirklicher Not entwickelt sich auch die Persönlichkeit entsprechend.«


»Es kommt dabei ganz darauf an, was der betroffene Mensch aus seiner Lage macht. Finanzielle Sicherheit kann zu Hochmut, Unvorsichtigkeit, Verschwendung führen, aber auch zu Großzügigkeit, Dankbarkeit, Engagement. Finanzielle Unsicherheit kann zu Kampfbereitschaft, Einfallsreichtum, Sparsamkeit führen, aber auch zu Verdrossenheit, Missgunst, Zweifel.«


»Geldsorgen haben mich immer beschäftigt und meine Welt eng und klein gemacht. Die Kombination Studium und Jobs wurde schließlich Dauerstress und ich bezahlte fürs Studieren-können mit einem Teil meiner Gesundheit. Pausieren bzw. Erholen war nicht möglich, da ohne zu arbeiten kein Geld reinkam. Ich konnte es immer schwerer ertragen zu sehen, wie nach meinem Eindruck andere sorgenfrei studierten, dass sie sich Auszeiten nehmen konnten oder andere scheinbar zufrieden und auch noch besser vom Staat lebten. Das machte mich verbittert und hart.«

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»Der, übertrieben ausgedrückt, ›Kampf ums Überleben‹ beschert einem jede Menge Lebenserfahrung, vielleicht auch ein Quäntchen Dreistigkeit und insgesamt die Fähigkeit, mit unterschiedlichsten Lebenssituationen zurechtzukommen. Eigenverantwortlich leben ist für mich der Schlüssel zu persönlichem Glück.«


»Das hängt sicher immer vom jeweiligen Menschen und seiner aktuellen Situation ab. Finanzielle Unsicherheit kann zum einen zermürben, müde, verdrießlich und missgünstig machen. Zum anderen kann sie aber auch eine Herausforderung sein, an der man wächst und die einen zu einer ›jetzt erst recht‹-Einstellung treibt. Finanzielle Sicherheit birgt einerseits das Risiko des ›sich auf andere verlassen‹ (wenn man davon ausgeht, dass der Student sich seine finanzielle Sicherheit nicht vor dem Studium selbst erarbeitet hat) und spornt sicher nicht so an, als wenn man für seinen Lebensunterhalt mehr oder weniger alleine aufkommen muss. Andererseits gibt sie die Möglichkeit zu Gelassenheit und Engagement, sowohl im Studium wie auch neben diesem und ist vermutlich auch für die Gesundheit einträglicher.«

 


Von wem oder was wärst Du lieber nicht finanziell abhängig? Welche finanzielle Abhängigkeit ermöglicht Dir Dein Studium? Welche Priorität hat für Dich der Weg in die finanzielle Unabhängigkeit? Teste unsere Kommentarfunktion!


[April 2009]



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