Peppa, die eigentlich Jennifer Müske heißt, ist einer von insgesamt acht Klinik-Clowns, die in den verschiedenen Hamburger Krankenhäusern regelmäßig die kleinen Patienten besuchen. Zunächst besuchte die 31-Jährige die Schauspielschule in Hamburg. Schnell merkte sie jedoch, dass das nicht wirklich das war, was sie machen wollte. Schon seit einiger Zeit wusste sie, dass sie gut andere Menschen zum Lachen bringen konnte. Deshalb bewarb sich Jennifer an der ersten staatlich anerkannten Schule für Tanz, Clown und Theater (»tut«) in Hannover. Seit vier Jahren ist sie nun geprüfter Clown.
[Quelle: ToniVC | Toni Verdú Carbó (Flickr)]
Aus einem alten, mit Schnallen besetzten roten Lederkoffer kramt Peppa zwischen Luftballons, Luftschlangen und bunten Tüchern »Trude« hervor. Trude, die sprechende Kuh, wohnt in einer kleinen, runden Pappdose, aus der sie sich niemals heraustraut. Trude ist nämlich sehr schüchtern und findet, dass sie etwas zu dick sei. »Trude, sag doch mal Hallo zu Aitin!«, Peppa dreht die Dose auf den Kopf und dann wieder langsam zurück. Ein langes, ausgedehntes »Muuhhhhhhhhh« ertönt und jetzt blickt Aitin doch zum ersten Mal in die Richtung von Peppa. Sein Geschichtsausdruck liegt irgendwo zwischen gelangweilt und genervt. Aitin scheint nur sehr wenig Verständnis dafür zu haben, dass er beim Ansehen der DVD von einem Clown und einer Kuh in der Dose gestört wird. Emotionslos antwortet Aitin auf das lang gezogene Muhen und sagt leise: »Hallo Trude.«
Seit etwa einem Jahr arbeitet Jennifer inzwischen in Hamburg als Klinik-Clown. Über eine Freundin hat sie damals erfahren, dass der Verein Klinik-Clowns Hamburg E.V. noch freie Stellen hat. Der Verein und seine speziell ausgebildeten Clowns versuchen, die Kinder in der fremden und ungewohnten Krankenhausumgebung etwas abzulenken und aufzuheitern. Mit ihrem komischen Talent und ihrem feinen Gespür für die Bedürfnisse ihrer jungen Zuschauer bekam Jennifer die Stelle. Seit September letzten Jahres besucht sie alle zwei Wochen die kleinen Patienten zweier Hamburger Krankenhäuser.
Der siebenjährige Aitin wirkt verunsichert. Die Fernbedienung immer noch fest mit der kleinen Hand umklammert kann er sich nicht mehr entscheiden, wohin er blicken soll. Zögernd fragt Peppa: »Magst du Laserschwerter?« Aitin blickt sich irritiert zu Peppa um und bejaht die Frage zaghaft. Lächelnd holt Peppa aus ihrem Koffer einen schwarzen Luftballon hervor und pustet ihn mit dem rot geschminkten Clownsmund auf. Mit einer ungeschickten Bewegung der Hände versucht Peppa einen Knoten zu machen. Der Luftballon entwischt ihren Fingern und fliegt zischend quer durch das gesamte Zimmer! Aitin lacht zum ersten mal laut auf und blickt gebannt dem Ballon hinterher während Peppa etwas beschämt schaut.
Für die Kinder, die zwischen zwei Monaten und 17 Jahren alt sind und auch deren Eltern, stellt die Arbeit der Clowns eine willkommene Abwechslung dar, die dankbar angenommen wird. Die Arbeit erfüllt jedoch nicht nur die Kinder und Angehörigen mit Freude, sondern bereitet auch ihr immer das Gefühl, etwas Sinnvolles vollbracht zu haben. Sie sagt: »Selbst an Tagen, an denen ich mich nicht so gut fühle und am liebsten absagen würde, geht es auch mir nach der Arbeit viel besser!« Der Verein finanziert sich zum einen aus Geldern, die von den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt werden und zum anderen aus Spendengeldern von Privatpersonen und Firmen. Die Akquise von Unterstützern der Klinik-Clowns ist sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig, wie Jennifer anmerkt.
Peppa nimmt nun einen zweiten Anlauf, um aus dem Ballon ein Laserschwert zu formen. Mit dick aufgeblasenen Backen lässt sie erneut Luft in den Luftballon strömen. Aitin hat inzwischen nur noch Augen für Peppa. Das anstrengende Pusten hat Peppas Gesicht tiefrot werden lassen, was erneut ein Lachen Aitins hervorlockt. Und tatsächlich schafft es der Clown dieses Mal, einen Knoten auf den Ballon zu machen und daraus das von Aitin mit Spannung erwartete Laserschwert zu formen! Peppa fischt aus dem Koffer einen zylinderförmigen Behälter, in dem sich eine Seifenlauge namens »Pupsefix« befindet. Konzentriert pustet Peppa durch einen Ring und erzeugt damit eine Vielzahl von Seifenblasen, die in allen Farben des Regenbogens schimmern. Aitin schaut fasziniert und nachdem er von Peppa aufgefordert wird, zerschlägt er die bösen »Bak-ter-ieen« und »Vi-reen«, von denen es im Krankenhaus ja bekanntlich nur so wimmelt! Eine Weile noch spielt Aitin vergnügt mit Peppa, die dann wieder weiter muss, denn schließlich warten noch viele weitere kleine Patienten darauf, von Peppa abgelenkt zu werden. Als Peppa winkend zur Tür hinaus spaziert, ruft Aitin ihr fröhlich ein »Tschüß, Herr Clown!« hinterher.
[November 2008]

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