Erstes Telefonat mit Modedesignstudentin Céline: »Woran kann ich Dich erkennen?« - »Ich bin dünn, Brillenträger und habe längere blonde Haare«, macht der Redakteur etwas vage Angaben, »Und Du?« - »Mich identifizierst Du leicht. Ich bin im vierten Monat!« Und tatsächlich, als Céline das Café betritt, zeichnet sich unter ihrem beigen Trenchcoat ein kleiner Bauch ab.
Céline ist Mutter eines vierjährigen Sohnes, verheiratet und schwanger. Seit sechs Semestern studiert sie Modedesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Mit 27 Jahren ist sie deutlich jünger als andere Studenten mit Kind an der Fakultät DMI. Im Durchschnitt sind diese 32 Jahre alt. Ort der Begegnung ist Hamburg Altona. Dort wohnt Céline mit ihrem Mann Daniel. Ihr Sohn Jael ist zum Zeitpunkt des Treffens bei einer Tagesmutter untergebracht. Die hat wahrscheinlich gerade viel zu tun. Der vierjährige Knirps sei ein »energiegeladenes Kind, sehr impulsiv und voller Action« berichtet Céline. »Der ist andauernd in Bewegung, auf dem Spielplatz muss ich immer hinter ihm her rennen. Langweilig ist das mit dem nicht.«

[Jael]
Vor ihrer Studienzeit an der Armgartstraße war sie als Schneiderin an der Staatsoper engagiert. Céline bekam Jael ein Jahr bevor sie begann, Modedesign zu studieren. Seitdem hat sie nie ein Urlaubssemester nehmen müssen. Mit ihren Kommilitonen hält die Mutter locker mit. Wie ihre Mitstudenten hat sie im vierten Semester ihr Vordiplom gemacht. »Ich habe nie gefragt, ob ich mehr Zeit haben kann. Entweder ich schaffe die Aufgaben oder nicht. Aber ich habe nie mein Kind als Grund für irgendetwas vorgeschoben. Bemitleidet werden möchte ich nämlich nicht. Da gibt es ja auch gar nichts zu bemitleiden!«
Das Ziel ihres Studiums ist der Abschluss Diplom. Für Céline ein klarer Vorteil. »Ich glaube, dass für Bachelor-Studenten ein Studium mit Kind etwas schwieriger ist. Die haben ja Anwesenheitspflicht, beim Diplom kann ich mir alles viel freier einteilen.« Trotz dieser Freiheiten sei ihr Studienalltag manchmal stressig gewesen. Häufig war sie bis tief in die Nacht beschäftigt, um Arbeiten für die Hochschule rechtzeitig abzugeben. Sie ist glücklich, dass sie bisher alles so gut geschafft hat. Und das mit der Dreifachbelastung von Studium, Nebenjob und einem Kind.
Doch bei einem Kind bleibt es nicht. Ihr Sohn Jael wird in fünf Monaten ein Geschwisterchen bekommen. »Ich bin gespannt, wie es ist mit zwei Kindern. Das wird noch mal komplett anders. Aber ich lass alles auf mich zukommen, planen kann ich da ja eh nicht«, sagt Céline. Planen kann die Modedesignstudentin nicht, aber der Wille ist da. Sie strebt an, ihr Studium in jedem Fall zu beenden. »Ich könnte nicht auf einmal aufhören.« In diesem Semester hat die junge Mutter noch zwei Kurse belegt. Schnittgestaltung und Modezeichnen. Da wisse sie, dass der Zeitaufwand für sie nicht allzu groß wird. Falls sie im nächsten Studienjahr nur einen Kurs belegen kann, sei sie nicht allzu enttäuscht. »Dann ist das eben so.«
In jedem Fall wird Céline bis auf Weiteres genug zu tun haben. Zwei Kinder aufziehen, weiter studieren, Diplom machen, Job suchen, arbeiten. Wird da eigentlich genug Raum für sie selbst bleiben? »Ich habe nie darauf verzichtet, mir Zeit für mich zu nehmen. Weil ich weiß, dass ich diese ganz dringend brauche. Ansonsten würde ich durchdrehen.«
Bei Kai ist man geneigt zu denken, genau das könne passieren. Angesichts des Tempos, das der manchmal vorlegt ...

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