Vladimir Schneider überlagert abstrakte und realistische Elemente. Seine Motive, urbane Landschaften, die nächtliche Stadt, leben von diesem Zusammenspiel aus Konkretem und Ungreifbarem.

Mark Slavin ist inspiriert von Wänden. Deren Oberflächen werden geformt vom Einfluss der Zeit, die sie überdauern. So erhält jede Wand ihren eigenen Charakter, der sich durch Struktur und Farbigkeit Ausdruck verleiht.

Matvey Slavin reproduziert in seinem aktuellen Projekt klassische Werke. Er versucht ihnen möglichst getreu zu bleiben und sieht dabei, wie sich die Bilder doch verändern und die Einflüsse der Gegenwart aufnehmen.

Lorenz Goldstein ist fasziniert von ungewöhnlichen Körpern. Besonders die Haut und deren Veränderung im Laufe und am Ende des Lebens ist Thema seiner Malerei. In seinen Bildern dokumentiert er malerisch verschiedene Stadien des vergänglichen Leibes.

[Vladimir Schneider]

Vier Künstler, vier völlig verschiedene Positionen und Arbeiten. Und doch haben sie beschlossen, sich zum Kollektiv zusammenzuschließen und gemeinsam auszustellen. Sie bieten vier Perspektiven auf dem Raum von einer; das erste Mal unter ihrem Gruppennamen CARTEL 21 ab dem 24. Oktober 2009 in der Fabrik im Gängeviertel. Bisher hat sich die Gemeinschaft nur hinter den Kulissen oder, in diesem Fall, abseits der Galeriewände abgespielt.

Lorenz, Matvey, Mark und Vladimir kommen an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften zusammen, wo sie alle Illustration am Fachbereich Design studieren. Bloß steht ihnen allen der Sinn weniger nach Infografiken und Kinderbüchern als nach der freien Kunst, und so beginnen sie, gemeinsam in der Stadt plein air zu malen. Die konstruktive Kritik und Anregungen, die sie dabei tauschen, empfinden sie als enorme Bereicherung zur fachlichen Kommunikation mit den Professoren. Und sie glauben, dass sie nicht nur sich selbst durch diese Gemeinschaft bereichern können, sondern auch die Besucher ihrer Gruppenausstellungen – nämlich mit einer spannenden, abwechslungsreichen Mischung.

[Mark Slavin]

Sie alle haben schon Erfahrungen mit Ausstellungen. Auch durch Studienprojekte wie die schwimmende Ausstellung MEHR auf der Cap San Diego, die die Studenten von vorne bis hinten durchplanen und kuratieren konnten. Genau diese Praxiserfahrungen sind es auch, die einen als freien Künstler auf dem Markt weiterbringen, da sind sie sich einig. So sind Kontakte, Wettbewerbe und Empfehlungen die gängigsten Mittel, mit denen man der Galeriewand näherkommt. Und natürlich: die Referenzen. »Manche Galeristen und Jurymitglieder von Wettbewerben schauen weniger auf die Arbeiten als auf die Biografie«, erzählt Mark. Lorenz bestätigt: »Je mehr man ausstellt, umso bekannter wird man und umso höher sind die Chancen, bei angesehenen Institutionen auszustellen. Die besten sind die öffentlichen Ausstellungen von Kunstvereinen, Kunsthallen und Galerien mit einem breiten Kundenstamm.«

[Matvey Slavin]

Auch in dieser Hinsicht lässt sich ein Vorteil für die Künstlergruppe finden: Für eine Ausstellung muss jeder von ihnen nur ein Viertel der Arbeiten stellen, die ein Einzelkünstler mitbringen müsste, um die Galerie zu füllen. So kann CARTEL 21 öfter ausstellen und damit die Präsenz jedes Mitglieds in der Kunstwelt erhöhen.

Der Kunstmarkt, das sei ohnehin wie »eine Art Parallelwelt zum Aktienmarkt«. Hat sich der Künstler einen Namen gemacht, bekommen auch seine Bilder einen Marktwert, und der steigt umso höher, je aktiver der Künstler ist. »Es geht dann nicht mehr darum, ob eine Mohnblume auf dem Bild ist; es geht darum, ob der Name des Künstlers das Bild für den Kunstmarkt zugänglich macht.« Doch auch umgekehrt gilt: Wer länger nicht ausstellt, dessen Wert sinkt wieder in den Keller. Tatsächlich nachvollziehen kann man diese Entwicklungen bei Künstler-Rankings wie artfacts.net. Hier wird die Kunst über ein Punktesystem in Nummern und auf Ranglisten übersetzt.

[Lorenz Goldstein]

Wie schlägt man sich denn am besten durch, bis man auf der Rangliste hoch genug geklettert ist, um die Brötchen mit dem Pinsel zu bezahlen? »Auftragsarbeiten, oder Taxi fahren«, schlägt Lorenz vor. »An Wettbewerben teilnehmen, da gibt es ja auch Preisgeld«, meint Mark. »Landschaften malen, die gehen weg«, ist Matveys Strategie. Motive eben, die man sich übers Sofa hängen kann. Lorenz, malerisch mit dem Alterungsprozess der Haut verbandelt, weiß: »Das sind Bilder, die wird sich jetzt niemand aufhängen, und dafür mache ich sie auch nicht.« Es ist das künstlerische Interesse, das ihn und seine drei Kollegen antreibt. Der Antrieb führt sie in die Galerien und ihre Bilder an die Wände. Und dort machen sie sich ihren Namen.

CARTEL 21
Fabrik Gängeviertel, Valentinskamp 34a, Hamburg
Vernissage: Samstag, 24. Oktober 2009, 20 Uhr
Dauer der Ausstellung: 25.-30. Oktober 2009
Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag, 13-21 Uhr

[Oktober 2009]

*Alle Fotografien in diesem Beitrag von Katharina Anatzki, info-parkour.de



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