Du hast bereits Rezensionen in der FAZ oder auch der Frankfurter Rundschau erhalten, auch in Die ZEIT veröffentlicht. Bringt einem das mehr Aufträge?
Keine Ahnung. Es kommen Anfragen, ich frage fast nie zurück, wie die Leute auf mich gekommen sind. Wieso? Die Karriere als Illustrator oder Künstler ist meiner Meinung nach nicht planbar, deshalb habe ich gegen Ende des Studiums aufgehört, mir darüber Gedanken zu machen. Ich hatte von Haus aus keine Kontakte zu wichtigen Leuten und fand es schon immer abstoßend, sich an Verleger, Lektoren, Journalisten etc. ranzuschmeißen. Ich möchte meine Sachen nicht wegen Kontakten und Seilschaften veröffentlicht wissen, sondern weil die Leute sie gut finden.
[Illustration: Claire Lenkova]
Wie stellt man Kunden - sprich, Auftraggeber - zufrieden und wie baut man sich eine dafür entsprechende Reputation auf?
Ein idealer Auftraggeber bestellt eine Illustration nicht einen Tag vor Abgabe, sondern plant genug Zeit für die Anfertigung plus einen zeitlichen Puffer ein. Er geht nicht davon aus, dass ich sofort an den Zeichentisch eilen kann, sondern genau wie er noch andere Verpflichtungen habe. Er hat die richtige Mischung aus Zurückhaltung, Hartnäckigkeit und Offenheit, die mich nicht einengt, sondern befeuert. Er spielt sich nicht auf, sondern respektiert meine Arbeit genauso wie ich seine. Wir versuchen gemeinsam, die beste Lösung zu finden. Am Ende bekomme ich ohne Probleme ein Honorar, mit dem sowohl er als auch ich zufrieden sind. Komischerweise sind Privatleute oft unangenehme Auftraggeber. Sie wollen kaum was zahlen und sich dann noch das Recht herausnehmen, den Chef zu spielen und an allem herumzumäkeln. Wie man sich einen »Ruf« aufbaut, kann ich nicht sagen. Ich denke, man sollte authentisch und fleißig sein und seine Fähigkeiten weder unter- noch überschätzen. Die meisten Zeichner, die ich kenne, sind so wie ich, ganz gut, aber nicht herausragend. Es ist also damit zu rechnen, dass man mit genügend Glück, Fleiß und Engagement nach und nach mehr Aufträge bekommen und/oder eigene Bücher veröffentlichen kann. Passiert das nicht, sollte man den Mut haben, beruflich umzuschwenken. Was ist noch peinlicher, als jahrelang nach dem Studium von Hartz IV oder den Eltern zu leben, nicht zu bemerken, dass niemand die Werke haben möchte und beharrlich auf seinem stagnierten Niveau hängen zu bleiben? Vielleicht eine alternde Frau auf Männerfang, die wie ein altes Sahnebisset niemanden mehr Appetit macht.
Lassen einem die eigenen Kunden genügend Freiraum für den künstlerischen Ausdruck?
Ja. Sie vertrauen darauf, dass ich zu einem gestellten Thema originelle Ideen finden werde. Sie buchen mich ja wegen meines Stils und wissen also vorher, was sie ungefähr bekommen werden. Kunden, die verlangen, ich soll im Stile von Soundso zeichnen, lehne ich ab.
Wie ist Deine Vorstellung von einer freien Kunst?
Es gibt keine freie Kunst.
Die Illustration wird mitunter gern als Gegenpol zur freien Kunst gesehen und auch als handwerklich gebunden - was denkt Frau Lenkova?
Von dieser absurden Ansicht erfuhr ich erst gegen Ende meines Studiums. Ich bleibe eben gerne naiv ... Die Übergänge von Illustration zu Kunst sind sicher fließend und es ist müßig und eine unlösbare Aufgabe, sie festlegen zu wollen. Ein Beispiel für die Gratwanderung zwischen angewandt und frei kann man in den Sammelbänden SPRING 1 bis 5 sehen. Dort gibt es Comics, freie Arbeiten, Illustrationen, Projektionen zu jährlich einem Thema und niemals gibt es Diskussionen, ob ein Beitrag nun eher künstlerisch oder illustrativ ist. Es geht immer nur darum, ob er spannend und eigen ist.
Gibt es Illustration, die vollkommen zweckfrei ist?
Keine Ahnung. Eine komische Frage. Ich finde, alles, was man tut, sollte einen Sinn haben …
Dann wechseln wir jetzt das Thema: Nehmen die technischen digitalen Mittel neben den analogen heute einen starken Einfluss auf die Illustrationskunst?
Ich denke, dass zu jeder Zeit die jeweils aktuellen technischen Möglichkeiten genutzt wurden.
Sollten angehende Studenten Deiner Meinung nach für das Studium besondere Fähigkeiten mitbringen?
Ja, neben der Fähigkeit, in irgendeiner Form gestalten zu wollen und zu können, sollten sie Ehrgeiz und Durchhaltevermögen mitbringen. Sie sollten sich darüber klar sein, dass sie nach dem Studium der Illustration oder der Kunst sehr wahrscheinlich freiberuflich arbeiten werden und welche Risiken das birgt.
Hast Du während Deines Studiums - sprich, der akademischen Ausbildung - etwas vermisst, dass Dir heute für das Überleben als Illustratorin hilfreich wäre?
Ich hätte es besser gefunden, wenn wir im Grundstudium einen Stundenplan gehabt hätten, durch den wir gezwungen gewesen wären, bestimmte Grundlagen zu lernen. Dann sollte unbedingt unterrichtet werden, zu welchen Konditionen man Verträge für seine Bücher und Illustrationen abschließt. Noch immer geistert die Ansicht »Hauptsache, ich werde veröffentlicht, auch wenn es kaum Geld gibt« durch die Räume. Es muss endlich dem letzten Studenten und dem letzten Illustrator klar werden, dass man niemanden einen Gefallen tut, seine Sachen zu einem Preis zu verkaufen, für den keine Putzfrau auch nur den Wischlappen rühren würde. So was kann man nur für Freunde machen oder als Sponsoring begreifen. Ansonsten bin ich nach wie vor begeistert von meiner ehemaligen Schule und den Professoren. Als ich im Dezember 2007 Diplom machte, war die Schule längst im Wandel begriffen. Obwohl viele über die neue Bachelor-Regelung meckern, habe ich das Gefühl, dass sie der Schule den lang benötigten Schwung gibt. Studenten, die sich 20 Semester im Elfenbeinturm Schule vor sich hinmalen, sollte es nicht mehr geben. Dafür mehr Gelder für benötigtes Equipment und studentische Hilfskräfte. Das zumindest war am Ende meines Studiums schon da.
In welchen Branchen lässt sich mit der Illustrationskunst tatsächlich Geld verdienen?
So weit ich das von meiner Arbeit und der meiner erfolgreichen Kollegen sagen kann, kann man gut verdienen, wenn man für Zeitschriften illustriert. Noch besser verdient man in der Werbung. Hat man einen Namen, kann man auch mit dem Gestalten von Covern, beispielsweise für Kinder- und Jugendbücher, gut verdienen. Ein Comicalbum kann man nur machen, wenn man entweder sehr anspruchslos und im Besitz einer Zweiteinnahmequelle ist oder bei einem großen Verlag publiziert.
Wie würdest Du die gegenwärtige Generation von Illustratoren bzw. ihre Arbeiten - sofern beobachtbar - beschreiben?
Sehr sympathisch auf jeden Fall ... Ich kann da wieder nur aus meiner beschränkten Sicht aus meinem Umfeld berichten: Es gibt sehr toughe Frauen, die erfolgreiche Illustratoren sind, zusätzlich noch Kinder bekommen, mehr verdienen als ihre Männer und das alles mit einem Lächeln unter einen Hut bekommen. Selbigen ab, sag ich da nur!
Gibt es eine Entwicklung in eine identifizierbare Richtung?
Kann ich nicht sagen ... Nur für die Comicszene: Da sind Zeichnerinnen eindeutig auf dem Vormarsch.
Welche Einflüsse oder kreativen Impulse sind maßgeblich für die Ergebnisse Deiner Arbeiten?
Das kann alles sein, was ich um mich herum wahrnehme.
Was hat die Welt von Illustratoren?
Da müsstest Du mal die Welt fragen ... Zumindest können Illustratoren in den meisten Fällen verhindern, dass Schriftsteller ihre Werke selbst bebildern.
Vielen Dank für das Gespräch.
[Juli 2008]

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