Was habt Ihr studiert und wie lange?
J Ich habe 1999 an der Armgartstraße angefangen, habe in Illustration meine Zwischenprüfung gemacht und 2003 meine Fachprüfung in Kommunikationsdesign. Anschließend habe ich mich exmatrikulieren lassen und bin nach Berlin gegangen. Ich habe also nur acht Semester studiert, obwohl ich studieren schon sehr großartig finde.
T Ich habe von 1998 bis 2000 drei Semester freie Kunst an der HfBK Hamburg studiert, was eine ganz schlimme Zeit für mich war. Dann habe ich 2000 neu an der Armgartstraße angefangen. Dort war ich dann noch mal zwölf Semester für Illu/KoDe eingeschrieben.
Wann habt Ihr Euren Abschluss gemacht?
J Nach zwei Jahren bei Scholz&Friends Berlin habe ich eine dreimonatige Auszeit genommen, um mit Till an unserem Diplom zu arbeiten. Als ich dann wieder zu Scholz ging, habe ich es da noch genau eine Woche ausgehalten. Dann musste ich kündigen, weil Scholz dem direkten Vergleich zum freien Arbeiten mal gar nicht standhalten konnte.
T Das war im Winter 2005/06. Unsere Diplompräsentation hatten wir dann im März 2006.
Wann habt Ihr Euch das erste Mal Gedanken darüber gemacht, was Ihr nach dem Studium machen wollt?
J Vor dem Studium. Das Einzige, was ich als Kind gelesen habe, waren - neben Hörzu - Mad-Hefte. Mit neun Jahren fand ich es eine ziemlich ehrenwerte Vorstellung, später mal bei Mad arbeiten zu dürfen. Ich weiß aber auch noch, dass ich mir in der zwölften Klasse ziemlich sicher war, anschließend so etwas wie Journalismus zu studieren und mit Rolli und Barbourjacke rumzulaufen.
T Ich wollte immer was Künstlerisches machen, hatte aber keinen Plan, wie man damit Geld verdienen könnte. Nach dem Studium habe ich erst mal als freier Mitarbeiter in der NDR Fernsehgrafik angefangen, um meine Miete zu bezahlen. Ich hätte mir auch vorstellen können, dort erst mal weiterzuarbeiten und nebenbei freie Sachen zu machen, mit denen man kein Geld verdient.
Welche Berufserfahrungen habt Ihr bis heute gemacht (Praktika, Jobs etc.)?
J Meine erste Praktikumserfahrung war 2000 bei der Trickfilmfirma Anima, die in dieser Zeit insolvent ging. Womit ich, bilde ich mir ein, nichts zu tun hatte. 2003 habe ich dann in Berlin das »creativevillage«‑Praktikum angefangen, bei dem man für jeweils zwei Monate bei Scholz&Friends, der taz und der UFA arbeitet. Im Anschluss bin ich Junior AD bei Scholz geworden.
T Ein Praktikum habe ich nie gemacht. Ich war einige Jahre Tutor an der Armgartstraße, erst bei Professor Fien, dann bei Almut Schneider, mit diesem guten Job habe ich den Großteil meines Lebensunterhalts während des Studiums verdient. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb so lange studiert.
Wann habt Ihr zum ersten Mal so viel Geld verdient, dass Ihr davon leben konntet und mit was?
T Das erste halbe Jahr habe ich so rumgejobbt, unter anderem bei der NDR Fernsehgrafik, was so gerade gereicht hat. Dann habe ich mich mit Jon zusammen selbstständig gemacht, das lief dann besser.
J Bei mir war es Scholz. Und anders als viele denken, heißt bessere Agentur nicht besseres Gehalt. Was darum auch ganz gut passt, weil man sowieso keine Zeit hat, was auszugeben.
Was macht Ihr jetzt?
T Wir haben 2006 unsere eigene Firma gegründet, den SFA, seitdem haben wir viel für Arte und die Satiresendung extra3 gearbeitet. Für extra3 produzieren wir alle zwei bis drei Wochen einen ca. zweiminütigen Trickfilm zu einem aktuellen politischen Thema. Das Besondere daran ist, dass wir auch die Autoren unserer Filme sind und diese als externe Produktionsfirma sendefähig beim NDR anliefern. Unser Schwerpunkt liegt im Allgemeinen ganz klar auf Animationen und umfasst inzwischen die unterschiedlichsten Bereiche. Momentan produzieren wir zum Beispiel für eine Theaterreihe Live-Visuals, die während der Vorführungen auf zwei Leinwände an den Bühnenseiten projiziert werden. Und wie alle anderen auch, sind wir nebenbei VJs.
J Außerdem illustriere ich noch für Zeitschriften wie brand eins, Neon und Zeit Campus.
Wie kommt Ihr an neue Kunden/Aufträge?
T Tatsächlich haben wir am Anfang ein Showreel erstellt und Akquise betrieben. Wir hatten dann schnell Glück, dass sich die regelmäßigen Aufträge von extra3 ergeben haben.
J Ansonsten kümmern wir uns verwerflich wenig um neue Kunden. Ehrlich gesagt, haben wir im letzten Monat drei Anfragen abgesagt. Das klingt jetzt ganz schön lässig, liegt aber leider nicht daran, dass wir besonders gut verdienen und uns unsere Kunden aussuchen könnten - wir hatten schlichtweg keine Zeit.
Im richtigen Arbeitsleben muss man sich oft entscheiden, Geld oder Moral? Was tut Ihr für Geld, und was auf keinen Fall?
J Coca-Cola sofort, Springer niemals. Und Till und ich sind uns einig, dass wir niemals etwas für die Würstchen von »Landfreund« machen würden, die wir gerade im Kühlschrank haben. Schmecken nach Seife.
Was würdet Ihr im Nachhinein gesehen anders machen?
J Da weiß ich jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll.
T Wir hätten auf alle Fälle Gründerzuschüsse beanspruchen sollen.
Was war Euer miesester/bester Job?
J Den miesesten Job weiß ich auf Anhieb, verrat ihn aber nicht. Um wenigstens einmal in diesem Interview was Professionelles zu machen.
T Letztes Jahr war ich einmal als Hochzeitsfilmer auf einer Hamburger High-Society-Hochzeit engagiert. Den ganzen Tag bewegte ich mich in diesem Fleisch-gewordenen Georges-Grosz-Gemälde, irgendwann fielen dann auch noch die Kamera-Akkus aus, und ich wünschte mich weit weg in eine Eishöhle mit Pinguinen. Zu essen bekommen habe ich übrigens auch nichts.
J Und was die besten Jobs angeht: das sind halt meistens die, die man aus innerer Motivation macht, die einen selber erfreuen, und für die es kein Geld gibt. Das bringt der eigenen Arbeit und einem selbst am meisten, darum bin ich auch ein großer Fan vom Studieren.
Irgendwelche Tipps für die, die nach Euch kommen?
J Haftpflichtversicherung.
T Inhaltsversicherung.
Weitere Infos gibt es hier: Homepage der NICHT JETZT!
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Prof. Peter Kabel
Department DMI