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info-parkour.de | Magazin zur Campus-Kulturgenese | gefördert durch die Fakultät für Design, Medien und Information und die HAW Hamburg

Queens & Kings

Bitten Stetter

Was hast Du studiert und wie lange?

Modedesign an der HAW Hamburg von 1995 bis 1999.

Wann hast Du Deinen Abschluss gemacht?

1999.

Wann hast Du Dir das erste Mal Gedanken darüber gemacht, was Du nach dem Studium machen willst?

Seit Beginn meiner Ausbildung (vorher Damenschneiderin) und dann immer mal wieder.

Welche Berufserfahrungen hast Du bis heute gemacht (Praktika, Jobs etc.)?

Ausbildung zur Damenschneiderin, selbstständige Designerin des eigenen Labels Bitten Stetter, Outhouse Design für MTV (Designerama), Adidas, BMG etc., Dozentur/Workshops an der HAW Hamburg, Dozentur an der AMD für Modedesign, Dozentur an der ZHDK Zürich Studienvertiefung Style & Design, Forschungsaufträge im Bereich Kreativität und Design.

Wann hast Du zum ersten Mal so viel Geld verdient, dass Du davon leben konntest und mit was?

Ab 2001, aber gerade so. Große Sprünge konnte man sicher nicht machen.

Was machst Du jetzt?

Selbstständige Designerin des eigenen Labels Bitten Stetter, Outhouse Design und Trendresearch, Dozentur an der AMD für Modedesign, Dozentur an der ZHDK Zürich Studienvertiefung Style & Design, Forschungsaufträge im Bereich Kreativität und Design.

Wie kommst Du an neue Kunden/Aufträge?

Akquise über Messen oder Direktakquise, Netzwerk und Mundpropaganda, über meine Agentur.

Im richtigen Arbeitsleben muss man sich oft entscheiden, Geld oder Moral? Was tust Du für Geld, und was auf keinen Fall?

Ich mache das, was mir Spaß macht und mich kreativ fordert und bin glücklicherweise nicht in der Situation, »unmoralische Angebote« anzunehmen, da das, was ich mache, auch gut bezahlt wird. Bei meinem Label achte ich darauf, dass meine Kollektionen unter fairen Bedingungen produziert werden.

Was würdest Du im Nachhinein gesehen anders machen?

Der Schritt, sich direkt nach dem Studium selbstständig zu machen, war schon sehr riskant und auch schwer. Vielleicht würde ich erst mal zwei Jahre fest arbeiten, um auch mehr Unterstützung vom Staat zu bekommen und Industrieerfahrungen zu sammeln.

Was war Dein miesester/bester Job?

Der beste ist mein Label und das Dozieren und Forschen, der mieseste Job war die Ausstattung eines mittelmäßigen Musicacts namens Sweetbox.

Irgendwelche Tipps für die, die nach Dir kommen?

Wenn man sich selbstständig machen möchte, sollte man sich vorher klar darüber sein, dass man unglaublich viel arbeiten muss, auch noch nach zehn Jahren Selbstständigkeit und vor allem, dass man im tiefsten Herzen für seine Sache brennen muss, sonst hält man es nicht durch. Es kostet viel Kraft. Ansonsten immer umtriebig sein, viele Kontakte machen, denn die Designwelt ist letztendlich doch kleiner als man denkt, und sich auch international interessieren und orientieren.

Weitere Infos gibt es hier: Homepage der NICHT JETZT!

Jon Frickey und Till Penzek

Was habt Ihr studiert und wie lange?

J Ich habe 1999 an der Armgartstraße angefangen, habe in Illustration meine Zwischenprüfung gemacht und 2003 meine Fachprüfung in Kommunikationsdesign. Anschließend habe ich mich exmatrikulieren lassen und bin nach Berlin gegangen. Ich habe also nur acht Semester studiert, obwohl ich studieren schon sehr großartig finde.

T Ich habe von 1998 bis 2000 drei Semester freie Kunst an der HfBK Hamburg studiert, was eine ganz schlimme Zeit für mich war. Dann habe ich 2000 neu an der Armgartstraße angefangen. Dort war ich dann noch mal zwölf Semester für Illu/KoDe eingeschrieben.

Wann habt Ihr Euren Abschluss gemacht?

J Nach zwei Jahren bei Scholz&Friends Berlin habe ich eine dreimonatige Auszeit genommen, um mit Till an unserem Diplom zu arbeiten. Als ich dann wieder zu Scholz ging, habe ich es da noch genau eine Woche ausgehalten. Dann musste ich kündigen, weil Scholz dem direkten Vergleich zum freien Arbeiten mal gar nicht standhalten konnte.

T Das war im Winter 2005/06. Unsere Diplompräsentation hatten wir dann im März 2006.

Wann habt Ihr Euch das erste Mal Gedanken darüber gemacht, was Ihr nach dem Studium machen wollt?

J Vor dem Studium. Das Einzige, was ich als Kind gelesen habe, waren - neben Hörzu - Mad-Hefte. Mit neun Jahren fand ich es eine ziemlich ehrenwerte Vorstellung, später mal bei Mad arbeiten zu dürfen. Ich weiß aber auch noch, dass ich mir in der zwölften Klasse ziemlich sicher war, anschließend so etwas wie Journalismus zu studieren und mit Rolli und Barbourjacke rumzulaufen.

T Ich wollte immer was Künstlerisches machen, hatte aber keinen Plan, wie man damit Geld verdienen könnte. Nach dem Studium habe ich erst mal als freier Mitarbeiter in der NDR Fernsehgrafik angefangen, um meine Miete zu bezahlen. Ich hätte mir auch vorstellen können, dort erst mal weiterzuarbeiten und nebenbei freie Sachen zu machen, mit denen man kein Geld verdient.

Welche Berufserfahrungen habt Ihr bis heute gemacht (Praktika, Jobs etc.)?

J Meine erste Praktikumserfahrung war 2000 bei der Trickfilmfirma Anima, die in dieser Zeit insolvent ging. Womit ich, bilde ich mir ein, nichts zu tun hatte. 2003 habe ich dann in Berlin das »creativevillage«‑Praktikum angefangen, bei dem man für jeweils zwei Monate bei Scholz&Friends, der taz und der UFA arbeitet. Im Anschluss bin ich Junior AD bei Scholz geworden.

T Ein Praktikum habe ich nie gemacht. Ich war einige Jahre Tutor an der Armgartstraße, erst bei Professor Fien, dann bei Almut Schneider, mit diesem guten Job habe ich den Großteil meines Lebensunterhalts während des Studiums verdient. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb so lange studiert.

Wann habt Ihr zum ersten Mal so viel Geld verdient, dass Ihr davon leben konntet und mit was?

T Das erste halbe Jahr habe ich so rumgejobbt, unter anderem bei der NDR Fernsehgrafik, was so gerade gereicht hat. Dann habe ich mich mit Jon zusammen selbstständig gemacht, das lief dann besser.

J Bei mir war es Scholz. Und anders als viele denken, heißt bessere Agentur nicht besseres Gehalt. Was darum auch ganz gut passt, weil man sowieso keine Zeit hat, was auszugeben.

Was macht Ihr jetzt?

T Wir haben 2006 unsere eigene Firma gegründet, den SFA, seitdem haben wir viel für Arte und die Satiresendung extra3 gearbeitet. Für extra3 produzieren wir alle zwei bis drei Wochen einen ca. zweiminütigen Trickfilm zu einem aktuellen politischen Thema. Das Besondere daran ist, dass wir auch die Autoren unserer Filme sind und diese als externe Produktionsfirma sendefähig beim NDR anliefern. Unser Schwerpunkt liegt im Allgemeinen ganz klar auf Animationen und umfasst inzwischen die unterschiedlichsten Bereiche. Momentan produzieren wir zum Beispiel für eine Theaterreihe Live-Visuals, die während der Vorführungen auf zwei Leinwände an den Bühnenseiten projiziert werden. Und wie alle anderen auch, sind wir nebenbei VJs.

J Außerdem illustriere ich noch für Zeitschriften wie brand eins, Neon und Zeit Campus.

Wie kommt Ihr an neue Kunden/Aufträge?

T Tatsächlich haben wir am Anfang ein Showreel erstellt und Akquise betrieben. Wir hatten dann schnell Glück, dass sich die regelmäßigen Aufträge von extra3 ergeben haben.

J Ansonsten kümmern wir uns verwerflich wenig um neue Kunden. Ehrlich gesagt, haben wir im letzten Monat drei Anfragen abgesagt. Das klingt jetzt ganz schön lässig, liegt aber leider nicht daran, dass wir besonders gut verdienen und uns unsere Kunden aussuchen könnten - wir hatten schlichtweg keine Zeit.

Im richtigen Arbeitsleben muss man sich oft entscheiden, Geld oder Moral? Was tut Ihr für Geld, und was auf keinen Fall?

J Coca-Cola sofort, Springer niemals. Und Till und ich sind uns einig, dass wir niemals etwas für die Würstchen von »Landfreund« machen würden, die wir gerade im Kühlschrank haben. Schmecken nach Seife.

Was würdet Ihr im Nachhinein gesehen anders machen?

J Da weiß ich jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll.

T Wir hätten auf alle Fälle Gründerzuschüsse beanspruchen sollen.

Was war Euer miesester/bester Job?

J Den miesesten Job weiß ich auf Anhieb, verrat ihn aber nicht. Um wenigstens einmal in diesem Interview was Professionelles zu machen.

T Letztes Jahr war ich einmal als Hochzeitsfilmer auf einer Hamburger High-Society-Hochzeit engagiert. Den ganzen Tag bewegte ich mich in diesem Fleisch-gewordenen Georges-Grosz-Gemälde, irgendwann fielen dann auch noch die Kamera-Akkus aus, und ich wünschte mich weit weg in eine Eishöhle mit Pinguinen. Zu essen bekommen habe ich übrigens auch nichts.

J Und was die besten Jobs angeht: das sind halt meistens die, die man aus innerer Motivation macht, die einen selber erfreuen, und für die es kein Geld gibt. Das bringt der eigenen Arbeit und einem selbst am meisten, darum bin ich auch ein großer Fan vom Studieren.

Irgendwelche Tipps für die, die nach Euch kommen?

J Haftpflichtversicherung.

T Inhaltsversicherung.

Weitere Infos gibt es hier: Homepage der NICHT JETZT!

Heike Becker und Katia Moysich

Was habt Ihr studiert und wie lange?

H, K Wir haben zehn Semester Kommunikationsdesign an der HAW Hamburg studiert (mit je einem Auslandssemester).

Wann habt Ihr Euren Abschluss gemacht?

H, K Wir haben 2005 zusammen unser Diplom gemacht.

Wann habt Ihr Euch das erste Mal Gedanken darüber gemacht, was Ihr nach dem Studium machen wollt?

K Ernsthaft während eines Praktikums im fünften Semester in einer größeren Werbeagentur.

H Kurz vor dem Studium. Ich fing damals gerade an, in einer kleinen Designagentur zu arbeiten, um die Zeit bis zum Semesterbeginn zu überbrücken. Eine Kollegin sagte zu mir: »Ach, du wirst an der Armgartstraße studieren? Wir hatten gerade eine Volontärin von dort, mussten sie aber nach ein paar Wochen wieder nach Hause schicken, weil sie nicht viel konnte. Und das, obwohl sie ihr Diplom mit Zwei gemacht hat.« Ich arbeitete also von Anfang an parallel zum Studium in unterschiedlichen Agenturen, um so viel Praxiserfahrung zu machen wie möglich.

Welche Berufserfahrungen habt Ihr bis heute gemacht (Praktika, Jobs etc.)?

K Während des Studiums habe ich mehrere Praktika gemacht und frei gearbeitet für unterschiedliche Agenturen. Nach dem Diplom habe ich weiter frei gearbeitet und betreue nun mit Queens Design eigene Kunden.

H Bei mir war es genauso.

Wann habt Ihr zum ersten Mal so viel Geld verdient, dass Ihr davon leben konntest und mit was?

K Als freie Mitarbeiterin in unterschiedlichen Agenturen gegen Ende des Studiums.

H Ich kann den Zeitpunkt gar nicht genau bestimmen. Auf jeden Fall recht früh, durch das Freelancen.

Was macht Ihr jetzt?

H, K Zur Zeit arbeiten wir für unsere eigenen Kunden.

Wie kommt Ihr an neue Kunden/Aufträge?

H Das Wichtigste ist ein klares Profil. Wir haben unsere eigene Corporate Identity sehr intensiv ausgearbeitet. Und dann versuchen wir, Spuren zu hinterlassen, erzählen unterschiedlichen Menschen, dass es uns gibt. Irgendwie ergeben sich so immer wieder interessante Kontakte.

K Ein bisschen Geduld muss man allerdings schon haben. Ein Netzwerk entsteht nicht von heute auf morgen. In unserem Fall war es von Vorteil, dass wir schon während des Studiums viele Kontakte gemacht haben.

Im richtigen Arbeitsleben muss man sich oft entscheiden, Geld oder Moral? Was tut Ihr für Geld, und was auf keinen Fall?

H,K Wenn uns ein Projekt inhaltlich nicht passt, kann man uns nicht kaufen.

Was würdet Ihr im Nachhinein gesehen anders machen?

K Nichts.

H Nichts.

Was war Euer miesester/bester Job?

K Es gibt eigentlich keine miesen Jobs. Man lernt überall und weiß irgendwann, wie man arbeiten will. Danach richtet man sich aus.

H Es ist wie Paul Arden sagt: »Mach jeden Job zu deinem besten!«

Irgendwelche Tipps für die, die nach Euch kommen?

K Ich würde dazu raten, schon während des Studiums zu arbeiten. Trotzdem alle Freiheiten des Studiums ausloten! Ausgiebig experimentieren und machen, machen, machen!

H Ich kann nur jedem zu mehr Selbstbewusstsein raten. Versuche, Deinen eigenen Arbeitsrhythmus zu finden und bestehe darauf! Die Kreativdirektoren wollen Deine Ideen. Aber Du weißt selbst am besten, wie Du sie findest. Ich habe als Freelancer irgendwann angefangen, mir ein paar mehr Freiheiten herauszunehmen. Zum Beispiel bin ich nach einem Briefing nicht sofort zum Rechner gerannt, sondern durch die Stadt gelaufen, um mich inspirieren zu lassen. Dann habe ich noch gemütlich einen Kaffee getrunken und bin nach zweieinhalb Stunden wieder in der Agentur aufgetaucht. Der Chef hat im ersten Moment schon etwas komisch geguckt, aber am Ende des Tages hatte ich ungefähr doppelt so viele Ideen wie die Designerin, die krampfhaft am Computer gesessen hat.

[September 2008]

Weitere Infos gibt es hier: Homepage der NICHT JETZT!

1 Kommentar

Gute Interviews und interessante Website! Freut mich.

Prof. Peter Kabel
Department DMI
AntwortenPeter Kabel 30. Sep 2008
 

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