Seit wann gibt es das Mentoring-Programm für Studentinnen der HAW Hamburg?
Das Mentoring-Programm für Studentinnen im Berufsübergang befindet sich in der Pilotphase – bisher hat es einen Probedurchlauf gegeben.
[Illustration: Maria Skov Pedersen, info-parkour.de]
Wie ist das Mentoring-Programm aufgebaut? Welche Veranstaltungen besuchen die Studentinnen? Wie ist der zeitliche Umfang definiert?
Im Mittelpunkt des Programms steht die Mentoring-Beziehung. Hier profitiert die berufsunerfahrene Mentee von den Ratschlägen und Kontakten der berufserfahrenen Mentorin oder des Mentors. Die Bausteine unseres Mentoring-Programms sind …
… die Mentoring-Beziehung mit ca. drei bis fünf Face-to-Face-Treffen. Den jeweiligen Möglichkeiten der Tandems entsprechend können beispielsweise auch der zusätzliche Telefon-/E-Mail-Kontakt, Shadowing (Begleitung der Mentorin/des Mentors im Arbeitsalltag) oder gemeinsame Besuche von berufsrelevanten Veranstaltungen oder Anderes vereinbart werden. Die organisatorische (Wo? Wann? Wie lange?) und inhaltliche (Fragestellungen, Ziele und Erwartungen) Gestaltung der Mentoring-Beziehung sollte anfangs innerhalb der Tandems kommuniziert werden. Die Vorbereitung der Treffen wird dabei aktiv von den Mentees gestaltet.
… die Rahmenveranstaltungen. Kick-off am 26. März 2010 mit speziellen Einführungsworkshops für MentorInnen und für Mentees und deren erstes Zusammentreffen findet hier statt. Die Abschlussveranstaltung mit der Reflexion der Mentoring-Beziehungen und einer qualifizierten Zertifizierung der Mentees durch die HAW Hamburg ist für Dezember geplant.
… die Einzelberatung der Mentees und die verbindliche Teilnahme an mindestens zwei Seminaren aus dem Weiterbildungsangebot zum Berufseinstieg des CareerService der HAW Hamburg.
… die Unterstützung in der Netzwerkbildung von MentorInnen und Mentees, zum Beispiel durch ein Forum, einen Stammtisch oder Anderes.
… zusätzliche Vorträge, die nachfrageorientiert geplant werden.
Das Mentoring läuft somit schon in einem formellen Rahmen ab. Ein Mentoring kann natürlich nur mit einer gewissen Verbindlichkeit und Verlässlichkeit und der aktiven Bearbeitung der anfangs festgelegten Fragestellungen und Ziele funktionieren und effizient sein.
Wie werden die MentorInnen rekrutiert? Welche Voraussetzungen müssen sie erfüllen?
Wir haben einen MentorInnen-Pool angelegt, in den sich aus unseren Netzwerken heraus, zum Beispiel auch Alumni, externe ExpertInnen als mögliche MentorInnen für unsere Studentinnen bewerben können. Die Öffentlichkeitsarbeit, das heißt interne und externe Werbung für das Mentoring-Programm, ist natürlich ganz wichtig. Die MentorInnen bewerben sich, genauso wie die Mentees, mit einem Profilbogen, einem Lebenslauf und über ein Gespräch. Die Voraussetzungen sind eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung in einer höheren Position oder Leitungsposition, Zeit und Engagement und natürlich auch soziale Kompetenz.
Nach welchen Kriterien werden die MentorInnen den Studentinnen zugeteilt?
Wir möchten die Tandems möglichst »passgenau« zusammenstellen, wobei ein Mentoring nicht unbedingt fachspezifisch übereinstimmend erfolgen muss. Wir berücksichtigen hier die Wünsche der Mentees nach einer Mentorin oder einem Mentor aus bestimmten Berufsfeldern oder auch nach konkreten Personen. Wichtig ist natürlich auch die Persönlichkeit, das heißt ob die »Chemie« im Tandem stimmen könnte.
Inwiefern kann die Teilnahme an dem Mentoring-Programm Studentinnen den Berufseinstieg erleichtern?
Sie erhalten Ratschläge und Tipps auch zu informellen Strukturen und eventuellen Barrieren in den Berufsfeldern und können sich mit einer »objektiven« Person (nicht Eltern, nicht ProfessorInnen, nicht Vorgesetzten) beraten. Vertrauen und Vertraulichkeit sind die Basis, konstruktive Kritik gehört ebenso dazu wie der Mut, vermeintlich »dumme« Fragen zu stellen. Wichtig sind natürlich auch die Möglichkeiten zur Vernetzung von Mentees und MentorInnen und die Einblicke in berufsrelevante Netzwerke, die hierdurch geboten werden.
Welche Anforderungen werden an die Bewerberinnen gestellt?
Es gibt ein standardisiertes Bewerbungsverfahren für Mentees und MentorInnen. Die Auswahlprozesse werden von einem Beirat begleitet. Wir fragen die konkreten Erwartungen und Ziele der Mentees zu dem Mentoring ab. Das Programm richtet sich deshalb auch an Studentinnen der höheren Fachsemester (ca. ab fünftes Fachsemester), die bereits eine differenzierte Vorstellung zu ihrem Berufseinstieg haben und konkrete Fragestellungen dazu bearbeiten möchten.
Warum wird das Mentoring-Programm nicht für alle Studenten, sondern ausschließlich für Studentinnen angeboten?
Dieses Programm ist als Maßnahme des Gender Mainstreaming im Rahmen der Gleichstellung zu verstehen. Das heißt, da Frauen zurzeit immer noch allgemein in den Führungsebenen sowie auch insgesamt in technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen unterrepräsentiert sind, ist eine Förderung von Frauen relevant. Das können Sie auch an den Hochschulen feststellen. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es im weiteren Projektverlauf nicht auch ein Mentoring-Programm für Studenten geben wird.
Was gibt es aus Ihrer Sicht noch Wichtiges zum Mentoring-Programm zu sagen?
Wir freuen uns sehr über interessierte Studentinnen aus allen Fakultäten und natürlich auch über Alumni und externe ExpertInnen, die daran interessiert sind, unsere Studentinnen beim Berufseinstieg als MentorInnen zu unterstützen.
Vielen Dank für das Gespräch.
[Februar 2010]
Weitere Infos gibt es hier: Website der Stabsstelle Gleichstellung

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