Hattest Du eine konkrete Vorstellung, wie Dein Praktikum auszusehen hat?
Ich war ziemlich offen, was die Art meiner Praktikumsstelle angeht. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen bin ich ein recht vielseitig interessierter Mensch, ich kann mich für redaktionelle, organisatorische, analytische und beratende Aufgaben gleichermaßen begeistern. Hauptsache es ist spannend und macht Spaß. Zum anderen bin ich an das Praxissemester auch nicht mit dem Anspruch herangegangen, damit den ersten Schritt in meine zukünftige Karriere zu tun. Ich bin eher unbekümmert an die Suche herangegangen.
[Sarah Siebelist | Fotografie: Katharina Anatzki, info-parkour.de]
Wie hast Du Deine Recherchen angestellt, um zu dem Unternehmen zu kommen, bei dem Du Dein Praktikum absolviert hast?
Das war eher eine Aneinanderreihung von Umständen als eine richtige Recherche. Ich interessiere mich schon seit Langem für das Thema Usability. Im zweiten Semester habe ich im Medientheorie-Seminar von Prof. Kübler meine Seminarleistung zu diesem Thema absolviert, im dritten Semester eine Veranstaltung über Informationsarchitektur besucht. Darüber bin ich auf den World Usability Day ('08) aufmerksam geworden, der sogar direkt im Blauen Haus, meinem Department, stattgefunden hat. Dort habe ich dann einen Vortrag von zwei Kolleginnen aus der Konzeption von SinnerSchrader gesehen. Das war mir sympathisch und ich habe nachgesehen, ob die Agentur Praktikumsstellen ausgeschrieben hatte. Hatte sie auch, allerdings nicht im Bereich Usability, sondern unter anderem im Bereich Web Analytics. Damit wusste ich zwar nicht besonders viel anzufangen, aber die Stellenbeschreibung klang sehr interessant, so dass ich mich einfach blindlings beworben habe. Bis zum Bewerbungsgespräch hatte ich dann aber schon mein erstes Web-Analytics-Buch bestellt und vor lauter Begeisterung halb durchgelesen.
Was war ausschlaggebend für die Wahl Deiner Praktikumsstelle?
Das Thema hatte mich gepackt und ich mich daran festgebissen, da gab es keine Wahl mehr.
Wie wurdest Du nach Start des Praktikums in das bestehende Team integriert und kannst Du nachfolgenden Kommilitonen allgemeine Tipps für eine reibungslose Integration in ein neues Unternehmen mit auf den Weg geben?
In dieser Hinsicht betreibt SinnerSchrader einiges an Aufwand. Jeder neue Mitarbeiter, Praktikanten natürlich eingeschlossen, bekommt eine Tour durch die Agentur und kann so jedes Projektteam kennen lernen. Dann gibt es mehrere Einführungsveranstaltungen, die von den Geschäftsführern gehalten werden. Mein Team macht außerdem alle zwei Wochen ein Team-Lunch, und auch ansonsten sind Mittagsverabredungen sehr beliebt und gute Gelegenheiten, um sich weiter kennen zu lernen.
Was waren Deine Tätigkeiten/Aufgaben?
Meine erste Aufgabe war, mich einzuarbeiten. Ich hatte ja überhaupt keine praktische Erfahrung mit Web Analytics. Das ließ sich gut mit der QA (Quality Assurance oder auch Qualitätssicherung auf Deutsch) verbinden, die gerade für ein frisch implementiertes Tracking auf einer Kunden-Website anstand. Das bedeutet, dass man das eingebaute Tracking mit dem Konzept abgleicht, das vorher zusammen mit dem Kunden erarbeitet wurde. Eine umfassende QA nervt mit der Zeit, weil es ziemlich stupide werden kann, aber gerade für mich als Einsteiger war es super, weil ich so ein Verständnis für den Tracking-Mechanismus und das zugrunde liegende Konzept entwickeln konnte. Danach habe ich viele Analysen gemacht, mir Auffälligkeiten im Reporting angesehen und versucht, diese zu ergründen, ich habe AB-Tests betreut, Kundenanfragen bearbeitet und andere Projektteams mit Analyseinformationen versorgt.
Gab es konkrete Verantwortungen, die Dir übertragen wurden? Hattest Du eigene Projekte zu verantworten? Wenn ja, welche und wie fühlt sich das an?
Es gab einen AB-Test, den ich weitestgehend selbstständig betreut habe. Außerdem war eine über die gesamten sechs Monate angelegte Aufgabe, eine Präsentation über unser Web-Analytics-Angebot zu erstellen. Und zum Schluss war ich an der Konzeption eines periodischen Standard-Reportings beteiligt, das ich dann auch selbst umgesetzt habe.
Hast Du den Eindruck, dass Du aus dem Praktikum etwas mitnehmen konntest?
Fachlich hat sich mir natürlich eine völlig neue Welt erschlossen. Ansonsten habe ich einen Einblick in die berüchtigte Agenturwelt bekommen, die nur bedingt etwas für mich ist, und vor allem auch meine Präsentationsskills aufgemotzt.
Was würdest Du anderen Studenten bei der Wahl zu einer geeigneten Praktikumsstelle empfehlen? Nach welchen Kriterien sollte man auswählen?
Da kann ich leider mit keinem systematischen Konzept helfen. Das Wichtigste ist, glaube ich, dass man vorher sicherstellt, dass man keine typischen »Praktikanten-Aufgaben« aufgebrummt bekommt, sondern richtig gefordert und mit einbezogen wird.
Studium und Praxis. Du hast jetzt den Vergleich. Was macht Dir mehr Spaß? Studieren oder Arbeiten?
Naja, ich habe ja vor dem Studium schon eine Ausbildung gemacht und gearbeitet. Jeden Tag acht Stunden lang das »Gleiche« machen ist doof, wenn man sich nicht wirklich damit identifizieren kann. Das Studium ist, tatsächlich, eine einzigartige Zeit, in der man sich entfalten und ausprobieren kann. Danach wünsche ich mir eine selbstständige und selbst gestaltete Tätigkeit.
Könntest Du Dir Deinen Praktikumsplatz auch als späteren Arbeitsplatz vorstellen?
Als studentische Hilfskraft arbeite ich jetzt immer noch mit meinem Team zusammen. An die Messlatte der Angestelltentätigkeit gehalten ist das auch ein toller Job, den ich auch nach dem Studium weitermachen würde. Bloß habe ich, wie schon erwähnt, etwas ehrgeizigere Ambitionen.
Vielen Dank für das Gespräch.
[November 2009]
Weitere Infos gibt es hier: Homepage von SinnerSchrader

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